Hinter den Kulissen (Nr. 28) PDF Drucken
dscn0399-webMit Niels Neudeck auf KITA -Tour
Niels Neudeck, geboren am 21. 09. 1968 in Zwickau, verheiratet, Vater eines Kindes, Studium Lehramt, BWL (VWA) Studium berufsbegleitend, seit 2003 selbständiger Künstler und
Inhaber einer Agentur in Weimar, seit 2006 Wandlitzer.
Der kleine Transporter (mit Erdgasantrieb) ist bis unter die Decke mit seltsamen Gerätschaften beladen. Im heillosen Durcheinander entdecke ich eine alte Truhe, einen grauen Stein- brocken, ein Blech, ein Beleuchtungsstativ und eine Menge Kleinkram, die Niels bei seiner Arbeit in der KITA einsetzen wird. Da ich mir über die seltsame Tätigkeit des Herrn Neudeck keine Vorstellung machen konnte, habe ich ihn kurzerhand gebeten, ihn einen Tag lang begleiten zu dürfen. Um sieben Uhr früh geht’s los in Richtung Schwerin.
Um neun Uhr dreißig fahren wir bei der KITA Sandmännchen in Schwerin vor. Wir entladen das Arbeitsmaterial und bauen es im Eingangsbereich auf. Als die Kinderschar von den Erzieherinnen herbeigerufen wird, herrscht helle Aufregung. Niels Neudeck begrüßt die rund 50 Kinder, die auf dem Fußboden Platz genommen haben. Da ihm die Antwort zu zaghaft ausfällt, lässt er sie den Morgengruß wiederholen, bis ohrenbetäubendes Gebrüll den Raum erfüllt. Auf die Frage, ob sie noch müde seien, funktioniert es mit der Lautstärke auf Anhieb. Eine Handbewegung genügt und es herrscht Mucksmäuschenstille. „Wisst ihr was ein Requisit im Theater ist?“ Aus den meisten Kehlen schallt ihm ein Nein entgegen. Kein Zweifel, Niels hat die volle Aufmerksam der Kinder. Er greift zu einem Körbchen mit Früchten und ruft den kleinen Tobias nach vorne. Er lässt ihn in den Plastikapfel beißen und erklärt nun dem staunenden Publikum, weshalb man im Theater Plastikäpfel anstelle von verderbenden Früchten verwendet. Als nächstes macht ein riesiges, mit Styropor gefülltes Buch die Runde, die kleinen Jungs und Mädchen erfahren, weshalb es im Theater möglich ist, einen Stapel Bücher ohne Mühe über die Bühne zu tragen. Nun schiebt er einen täuschend echt aussehenden Felsbrocken heran und ruft zwei schmächtige Mädchen herbei. Die zwei umfassen den Stein aus
dscn0393webPappe und heben ihn staunend hoch. Viele weitere Requisiten werden vorgestellt. Auf spielerische Art gelingt es Niels Neudeck den Kindern die Tricks des Theaters näher zu bringen.
Im zweiten Teil erzählt Niels Neudeck die spannende Geschichte des alten Hauses am Meer, in dem die Großmutter lebt. Mal mit leiser Stimme, mal stimmgewaltig nimmt er die Kinder auf einen fiktiven Rundgang durch das Haus mit. Dabei erleben sie, wie Geräusche auf der Bühne umgesetzt und Geister imitiert werden. Das Repertoire reicht vom krachenden Gewitterdonner, über knirschende Treppenstufen, ächzende Türen,
dscn0394-webRegenschauer, Hagel und Wellengeräusche, bis hin zum Schlagen der Turmuhr. Beeindruckend, wie Niels Neudeck es schafft, die Kinderschar in Staunen zu versetzen, ihnen aber auch Gelegenheit gibt, mit den Geräten und Gegenständen selbst Geräusche zu erzeugen. Die ultimative Begeisterung bricht aus, als der Künstler es zum Schluss Schaum schneien lässt.
Ein kurzer Imbiss in Schwerin, dann starten wir Richtung Boizenburg an der Elbe. Unser zweites und zugleich letztes Ziel des Tages ist das dortige DRK-Spielhaus. Auch hier gelingt es dem Künstler, die Kinderschar scheinbar mühelos in seinen Bann zu ziehen. Dass dies nicht immer der Fall ist, erfahre ich auf der Rückfahrt seines zwölf Stunden langen Arbeitstages. Niels Neudeck tritt bundesweit auf und macht dabei die unterschiedlichsten Erfahrungen. So kommt es auch vor, dass er sich in einer Turnhalle mit 200 Kindern vor eine ungleich schwierigere Aufgabe gestellt sieht.
Renè Berger
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 4. Februar 2010 )
 
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