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Die ersten hundert Tage im Landtag (Nr. 28) |
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Die eisigen Tage des Januars mit der besänftigenden Schneedecke über unserer Barnimer Landschaft machen etwas ruhiger. Zeit zum Innehalten, zum Ordnen, Nachdenken. Auch ich habe es für mich
schon getan und will es an dieser Stelle mit
einigen Gedanken zu meinen ersten hundert Tagen als Abgeordneter des
Landtages Brandenburg machen.
Mit viel Energie und Enthusiasmus habe ich im Oktober den Brauhausberg
in Potsdam bestiegen. Mit dem Rückenwind eines solch hervorragenden
Wahlergebnisses wollte ich mich in die Arbeit stürzen. In der Fraktion
wurde ich gut aufgenommen, von der Landtagsverwaltung geschult und nun
konnte es losgehen. Mir wurde das Politikfeld Landwirtschaft, ländliche
Räume angetragen und es entsprach auch meinen Erwartungen und
Fähigkeiten. Die Ausschüsse formierten sich (ich bin Mitglied des
Ausschusses für Infrastruktur und Landwirtschaft), denn hier passiert
die eigentliche Arbeit.
Doch dann zogen in den trüben Novembertagen dunkle Wolken über den
Landtag. Die Stasidebatte begann, ausgelöst durch unsere Fraktion DIE
LINKE. Einige Abgeordnete hatten ihre Mitarbeit als IM der
Staatssicherheit nicht offen gelegt bzw. hatten wohl auch
Gedächtnislücken. Auch ich wurde unsicher, denn schließlich hatte ich
meinen dreijährigen Wehrdienst beim Wachregiment „Feliks Dzierzynski“
abgeleistet, welches dem Ministerium für Staatsicherheit unterstand.
Ich hatte dies bei meiner Nominierung als Kandidat der LINKEN
angegeben, ich war während meiner Zeit als Angestellter des Landes
„gegauckt“ worden („es lag nichts vor“) und fühlte mich so eigentlich
auf der sicheren Seite. Als ich einige Leute fragte, ob dies auch ein
„Fall“ werden könnte, wurde mir gesagt, dass das nicht sein kann.
Doch im Stasi-Fieber der Medien war dies kein Kriterium. Am 2. Dezember
brach es über mich herein, ich wurde an den Pranger gestellt. Die
Aussage: Nach diesem neuen Fall ist Platzeck am Ende, Schluss mit der
Rot-Roten Koalition. Genau dies war das Ziel! Dafür waren alle Mittel
recht. Noch am Abend des gleichen Tages, nach der Pressekonferenz mit
mir, kippte die Stimmung, man sprach von einer Hexenjagd und einem
Medienfall. Die Pressesprecherin der Birthlerbehörde bestätigte, dass
ich nicht als IM tätig war und eine weitere Zusammenarbeit mit dem MfS
abgelehnt habe. An diesem 2. Dezember 2009 war mein Name der
meistgenannte in den deutschen Medien.
In den folgenden Tagen
erreichten mich sehr viele Solidaritätsbekundungen, auch von Leuten,
von denen ich es nicht dachte. So am Morgen des 4. Dezembers, als ich
um halb sieben das Haus verlassen wollte, um zur Sonderlandtagssitzung
nach Potsdam zu fahren, klingelte das Telefon und ein Mann aus meinem
Dorf, den ich nur flüchtig kenne, sagte mir: „Ich habe Sie gewählt,
halten Sie durch, diese Kampagne ist ekelhaft!“. Am selben Tag hielt
ich meine erste Rede im Landtag, nahm Stellung zu den Vorwürfen. Doch
ich hatte mir meine erste Rede anders vorgestellt!
Als Resümee dieser ersten und sehr unschönen Erfahrung auf dem
politischen Parkett muss ich selbstkritisch eingestehen, dass ich mit
meiner Vergangenheit offensiver hätte umgehen sollen, selbstbewusster.
Sicherlich habe ich die Situation unterschätzt. Hatte einfach gedacht,
dass dieses Kapitel auch mal abgehakt ist. Vor einigen Tagen hatte ich
ein sehr persönliches Gespräch mit der Fraktionschefin der CDU, Frau
Prof. Wanka. Ich habe dabei gemerkt, dass es ein Verständnis gibt, wenn
man die Chance hat, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Ich werde jede
Gelegenheit nutzen, dies zu tun.
Kurz vor Weihnachten konnte ich dann doch noch meine erste „richtige“
Rede im Plenarsaal halten. Es ging um die Verhinderung der weiteren
Privatisierung der Seen in Brandenburg. Ein Thema, welches mich während
des Wahlkampfes im Barnim bewegte. Jetzt kann ich etwas dafür tun! Auch
laufen nun wirklich die parlamentarischen Arbeiten an. Davon werde ich
beim nächsten Mal berichten.
Ich habe im November mein Wahlkreisbüro in Eberswalde bezogen und habe
seit einigen Tagen ein komplettes Team von drei tollen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern.
Sie erreichen mich in Eberswalde in der Breiten
Straße 46,
Telefon: 03334-385155,
E-Mail:
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Und – demnächst komme ich mit
einem Bürgermobil zu Ihnen! Bis bald.
Dr. Michael Luthardt
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Letzte Aktualisierung ( Freitag, 5. Februar 2010 )
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