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Geschichte: Eine Straße in Zerpenschleuse (Nr. 33) PDF Drucken
pushkin_alexander_by_sokolo-webPuschkinstraße
Eine Puschkinstraße gibt es in Zerpenschleuse. Fast alle Leute, die man dort fragt, meinen, die Straße hieße schon immer so. Nur der Schornsteinfegermeister weiß es genauer: 
„Ich war 1945 neun Jahre alt. Als nach Kriegsende eine Antifa-Kommission die Straßen und Plätze, die nach Nazi-Größen benannt waren, wieder mit ihren alten Namen versah, wurde aus der damaligen Bahnhof- die Puschkinstraße“.
Der Name des russischen Dichters taucht noch einmal in unserer Gemeinde auf: In Basdorf gibt es den Puschkinweg.
Eigentlich gibt es keinen Grund, eine Bahnhofstraße umzubenennen. Es ist nicht genau verbürgt, aber es war wohl eine Referenz an den damaligen sowjetischen Ortskommandanten von Zerpenschleuse. Dieser war ein sehr gebildeter Mann und rezitierte öfter Goethe, Schiller und Puschkin…
Alexander Sergejewitsch Puschkin gilt für die meisten seiner Landsleute als der russische Nationaldichter und Begründer der modernen russischen Literatur (mit weitem Abstand vor im Ausland wohl bekannteren Schriftstellern wie Tolstoi, Dostojewski, Gogol oder Pasternak).
Er wurde nur 38 Jahre alt (geboren 1799 in Moskau, gestorben 1837 in Sankt Petersburg). Im Februar 1837 duellierte er sich mit einem französischen Gardeoffizier und erhielt einen tödlichen Bauchschuss.
In seinem recht kurzen Leben bewältigte er ein enormes schöpferisches Pensum. Er schuf Gedichte und Verserzählungen, Dramen, Romane, Erzählungen, Märchen… Manche seiner Werke wurden auch als Opern vertont, viele seiner literarischen Geschichten waren später Vorlagen für bedeutende Filme und große Theaterinszenierungen. Hier nur einige Titel und Namen, die dem geneigten Leser wohl sicher noch heute bekannt sind:
Ruslan und Ljudmila, Eugen Onegin (später von Tschaikowski als Oper vertont) Boris Godunow (von Mussorgski als Oper vertont), Poltawa, Der Gefangene im Kaukasus, Zar Saltan, Die Zigeuner, Der steinerne Gast (von Rimski-Korsakow später als Oper vertont), Der geizige Ritter (von Rachmaninow 75 Jahre später als Oper vertont), Die Hauptmannstochter (historischer Roman über den Pugatschow-Aufstand), Der Mohr Peters des Großen, Dubrowski, Der Postmeister, Der Schuss, Pique Dame, Rusalka (später als Oper vertont), Das Märchen von der toten Prinzessin und den sieben Recken… Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem reichhaltigen literarischen Schaffen Puschkins. Und es gibt noch einen wichtigen Grund, weshalb die Russen ihren Nationaldichter derart verehren. Bis zum Einmarsch Napoleons in Moskau 1812 sprach die russische Oberschicht Französisch. Nach dem darauf folgenden Brand Moskaus fragte man sich, warum man eigentlich die Sprache des Feindes spräche. Puschkin bereitete in seinen Gedichten, Dramen und Erzählungen der Verwendung der Umgangssprache den Weg. Er schuf einen erzählerischen Stil, der Drama, Romantik und Satire mischte – ein Stil, der seitdem untrennbar mit der russischen Literatur verbunden ist und zahlreiche russische Dichter massiv beeinflusste.
Seine romantischen Zeitgenossen waren Byron und Goethe; er wurde beeinflusst von Voltaire und den Tragödien Shakespeares.
Klaus Flemming
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 5. Dezember 2010 )
 
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