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„Windhalde Prenden“ (Nr. 33) PDF Drucken
„WindPark“? - Die Bezeichnung legt Angenehmes nahe, der Arglose windmhlengolfmontage-webstellt sich einen geschützten natürlichen Raum vor. Lanke, Prenden und Biesenthal sollen nun einen solchen „Windpark“ bekommen. „Windhalde“ ist allerdings für die angedrohte „Parkanlage“ die zutreffendere Beschreibung.
Am 4. Oktober 2010 hatte der Ortsbeirat Prenden zur Informationsveranstaltung geladen, auch der Bürgermeister der Großgemeinde Wandlitz war gekommen. Um das Ergebnis der Veranstaltung vorweg zu nehmen: Keiner der Anwesenden im übervollen Saal des Gemeindehauses will diesen „Park“.
Anfang der 90er Jahre saßen sie schon einmal zusammen, die Leute im Dorf. Diskutiert wurde die Alternative, ob auf den vormals genossenschaftlich genutzten Feldern ein Gewerbe“park“ oder ein Golfplatz entstehen sollte.
Jetzt gibt es neue Zukunftsoptionen. Von Lanke, über Prenden bis nach Biesenthal soll sich über 418 Hektar die Windhalde ziehen. Das Lanker Schloss, im französischen Renaissancestil, wäre dann Bauelement einer Kulisse funktional-kalter Industriearchitektur. Der Golfplatz Prenden, der mit der Landschaft des Naturparks Barnim wirbt, hat künftig eine Mauer vor sich: Türme von 200 Metern Höhe, in etwa also dimensioniert wie der Berliner Fernsehturm bis zur Kugel. Die abgebildete Prendener Golfplatz-Fotomontage illustriert es. Und für die Perle des Barnim, den Liepnitzsee, ist ein noch größeres Windkraftanlagengebiet in Planung: 578 Hektar werden, wenn alles schief geht, in den Liepnitzwald hineinragen.
Eines wird überdeutlich: Die Planer der Landesregierung in Potsdam entfernen sich immer mehr von der Realität, die Menschen am Ort fühlen sich schlecht regiert. Man kann sich noch gut an die kurzsichtige Gesetzgebung der Landesregierung erinnern, wonach die Forstbetriebe nur noch das Nutzholz aus den Wäldern zu holen privilegiert wurden. Mit verbleibendem Geäst und Baumkronen verkamen unsere Wälder zu unansehnlichen Holzbruchhalden für Holzschädlinge – nachdem, und das ist der Skandal, wenige Jahre zuvor mit millionenteuren arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen unsere Wälder und Seen, Naturlehrpfade und Wandermöbel hergerichtet worden waren.
Bürgermeister Udo Tippelmann nahm nach der Versammlung Stellung: „Ein Wildwuchs an „Windmühlen“ muss verhindert werden und darf nicht das Ziel der Gemeinde, anerkannter Erholungsort zu werden, torpedieren.“
Die Brandenburger Windwirtschaft plant aber anders: 150 Quadratkilometer neue Windeignungsflächen bis Mitte 2011 (bis 2015 insgesamt zwei Prozent der Landesfläche) werden versucht der Landesregierung abzunötigen. Angestrebt werden Genehmigungsverfahren unter Umgehung der Kommunen (Positionspapier des BWE, Juli 2010). Keine Rolle spielen historisch gewachsene Landschaften und soziale Gemeindeziele. Und so schließt sich der Kreis. Der ortsansässige Künstler Klaus Storde hinterfragte die Überdimensioniertheit des Windwirtschaftsgebietes, aber: Die Wirtschaft entscheidet über alles selbst. „Wir“, so einer der Regionalplaner, „stellen nach landesrechtlichen Vorgaben nur die „Windeignungsgebiete“ zusammen, auf denen dann gebaut werden kann und nutzen Bereiche, in denen die Landschaft ohnehin zerrissen ist, etwa durch Autobahnen“ und machte so Glauben, dass die Addition von Autobahnlärm und Windmühlenlärm gegenüber einfachem Windmühlenlärm unterschiedlich zu bewerten sei. Der Vertreter eines Ingenieurbüros hatte auf eine seiner Schautafeln geschrieben: „Tourismus, Landschaftsbild – Frage der Werte“. Wohl wahr! Und dann kommt das unvermeidliche Totschlagargument natürlich auch noch ins Spiel. Arbeitsplätze schaffe die Windindustrie, warf das Ingenieurbüro ein. Unpassend für Prenden! Wir haben über ein Dutzend Arbeitsplätze für Menschen im Dorf und Umgebung durch den Golfplatz, die im Gefolge seiner Verdrängung durch die Windhaldenindustrie entbehrlich würden, wem nutzt da der neue Arbeitsplatz im Berliner Ingenieurbüro?
Entscheiden werden letztlich die Grundeigentümer, ob sie mit den Vertretern der Windindustrie ins Geschäft kommen. Das dürfte zu einer „Dorfspaltung“ führen. Die Eigentümer der „windtechnisch interessanten“ Flächen sind bekannt - und die, die reizvolle Naturgebiete nicht durch „Windmühlen“ verschandeln lassen wollen, auch … Die Kommune hat übrigens von der Windkraft in ihrer unmittelbaren Umgebung so gut wie nichts. Nach dem öffentlichen Beteiligungsverfahren zum Jahresende – in Prenden werden die Unterlagen im Gemeindehaus ausliegen - entscheidet 2011 die Regionalversammlung über die Windnutzungsgebiete. Zwei Stimmen kommen aus dem Barnim. Besser wäre es, diese Planung so gar nicht erst zu vollenden und sich die Kampagne „Die Zukunft ist ErneuerBAR“ zunutze zu machen. Das bedeutet: Statt raumzerstörerische Windhalden sollten Bürger-Solarfelder in diesen Zonen geplant werden, denn der Landkreis Barnim gehört zu den sonnenreicheren Regionen in Deutschland. „Die Installation von Solaranlagen lohnt sich!“ - so die offizielle Webside www.barnim.de.
 Dr. Harald Wachowitz, Prenden
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 5. Dezember 2010 )
 
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