Energieeinsparung - Hätten Sie's gewusst? (Nr. 43)
Wir ärgern uns alle über die hohen Kosten für Heizung und Strom im Haushalt. In der Presse erscheinen fast täglich Artikel über die Entwicklung der Energiemärkte in der Welt und meistens sind wir
mit Hiobsbotschaften konfrontiert. In einem Beitrag der MOZ vom 20. Juni 2012 wird der Chef der Deutschen Energieagentur DENA, Stephan Köhler über die Strompreise zitiert: „Wir sagen einen Energiewende bedingten Anstieg um 20 bis 25 Prozent bis zum Jahr 2020 voraus, bedingt durch die steigende Nachfrage nach Öl, Gas und Kohle in anderen Weltregionen“.
Wir sind regelmäßig entsetzt, wenn die Energieversorger die nächste Preiserhöhung ankündigen und unserer ist auch meistens dabei. Wenn der erste Ärger abgeklungen ist, schmieden wir Pläne gegen die Preiserhöhung und drücken auf die Energiesparbremse. Dabei sind unsere Politiker gerne Vorbild. Es gab ja den berühmten Satz eines Berliner Finanzsenators über die nützliche Rolle eines dicken Pullovers in der Wohnung, wenn es einem zu kalt wäre. Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier erklärte kürzlich, als Rat an uns gerichtet: „Wenn der Preis um drei Prozent steigt, bleibt die Rechnung die alte, wenn man gleichviel Strom einspart“, also muss man eben drei Prozent Strom im Haushalt einsparen. Aber wie? Wenn das so einfach wäre, wie es klingt, warum tun wir’s nicht?
Ein vormaliger Bundeswirtschaftsminister sagte einmal: „Jede Energie, die nicht verbraucht wird, ist eigentlich die sinnvollste Energiepreissenkung.“
Über diese Weisheiten können wir unterschiedlicher Meinung sein, obwohl es tatsächlich einfache und bewährte Maßnahmen gibt, die jeder von uns ausprobieren kann, mit überraschendem Ergebnis. Am einfachsten wird Strom gespart, wenn die Beleuchtung im Haus nur für den Gebrauch eingeschaltet wird. Lampen, die ohne Verwendung leuchten und das über Stunden hinweg, bringen keinen Komfortzuwachs, vergeuden Energie, die sich über einen längeren Zeitraum zu stattlichen Beträgen summieren kann. Eine herkömmliche 100-Watt-Glühbirne verbraucht in einem Jahr zirka 216 Euro Stromkosten, bei einem Preis pro Kilowattstunde von 0,25 Euro. Zu Recht hat die Europäische Kommission den Verkauf stromhungriger Glühbirnen verboten und die Einführung energiesparender Leuchtmittel gefördert. Diese haben den Vorteil, neben den geringeren Verbrauch bei gleichen lichttechnischen Eigenschaften auch einen viel höheren Wirkungsgrad zu besitzen. Dabei wird die auf der Packung angegebene Watt-Zahl immer unbedeutender. Wichtig ist die Lumen-Zahl (Watt x 10 = Lumen), die eine Energie sparende Lampe leistet. Moderne Sparlampen mit sehr guter Lichtausbeute können ähnlich hell leuchten wie eine herkömmliche Glühbirne, obwohl sie nur ein Fünftel des Stroms verbrauchen und erheblich länger halten. Die Lösung für die Stromeinsparung bei Leuchtmitteln im Haus wäre eine Präsenzsteuerung zu verwenden, als Zeitschaltuhr oder über Bewegungsmelder, vor allem in Bereichen, die nur sporadisch benutzt werden (Keller, Flure, Bad, Außenbeleuchtung).
Strom zu sparen gilt auch für die elektronischen Geräte im Haushalt. Der Fernseher, der Receiver, das Radio, der DVD-Player, etc. werden heute über Fernbedienung gesteuert. Dafür müssen die Geräte in Bereitschaft (stand by) sein. Wenn diese aktiviert ist, dann verbrauchen die Geräte Strom, um die Bereitschaft aufrechtzuerhalten und jederzeit einschaltbereit zu sein. Moderne Geräte brauchen dafür unter einem Watt Leistung (zirka 2,16 Euro pro Jahr), ältere Modelle aber bis zu zehn Watt (zirka 21,60 Euro pro Jahr). Nicht weil ältere Geräte schlechter wären, sondern weil früher der Sparwille gar nicht da war und die Energiekosten niedrig waren. Wenn der Verbrauch aller Geräte, seien es vier oder fünf oder vielleicht zehn addiert werden, könnten sie erhebliche Kosten zusammen verursachen, die gar nicht unbedingt benötigt werden. So lohnt sich eine Bestandsaufnahme der Verbraucher im Haus und die verbrauchsintensive Geräte zu erkennen. Damit lassen sich Prioritäten setzen und das eine oder andere Gerät zeitweise abschalten. Wichtig ist das besonders in der Urlaubsaison. Während wir uns in der Ferne vergnügen und uns von den Strapazen der vergangenen Arbeitsmonate erholen, bleiben viele Geräte eingeschaltet und treiben unnötig die Stromrechnung in die Höhe. Natürlich sind moderne Hausgeräte heute sparsamer und effizienter im Umgang mit Energie als ihre Vorgängermodelle.
Seit dem 30. November 2011 tragen die meisten Hausgeräte ein Energieeffizienzlabel. Obwohl die Prüfbedingungen noch nicht einheitlich sind, gewährleistet das Energieeffizienzlabel eine gute Vergleichsmöglichkeit über die Betriebskosten und die Umweltverträglichkeit der Geräte. Verglichen mit drei Jahre alten Modellen verbrauchen zum Beispiel neue Fernseher nur halb so viel Energie. Ähnlich sind die Leistungen der anderen Stromfresser Waschmaschine, Trockner oder Staubsauger.
Wie aus den oben dargestellten Beispielen zu erkennen ist, können wir doch, jeder einzelne von uns, etwas für die eigene Energiepreissenkung tun. Und das mit wenig Aufwand und keinen nennenswerten Verzicht auf den gewohnten Komfort und Bequemlichkeit zu Hause. Statt dass wir uns über die angekündigten Preiserhöhungen ärgern, sollen sich die Stromversorger über unseren niedrigeren Verbrauch ärgern.
Georg Rozinsky
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