Wie sieht die Energieversorgung der Zukunft aus? (Nr. 45)
Eine Wortmeldung zum Thema

Ist die sogenannte erneuerbare Energie tatsächlich die zukünftige Lösung der Energieprobleme auf unserem Planeten? Es zeichnet sich bereits heute ab, dass dies wohl nicht der Fall ist. Es gibt zu viele ungeklärte Fragen bei der Errichtung von Windkraft-, Solar- und Wasserkraftanlagen. Ein ganz entscheidender Faktor ist die flexible Bedarfsdeckung. Trotz aller wirksamen Maßnahmen, Energie effizienter und sparsamer einzusetzen – der weltweite Bedarf an elektrischem Strom wird weiter wachsen. Der Vorrat an fossilen Energieträgern (Kohle, Erdöl und –gas) ist absehbar bald aufgebraucht. Gegenwärtig wird aber gerade mit ihnen der Großteil an Energie produziert. Wir benötigen folglich grundsätzlich neue Energiequellen.
Mitte der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts glaubte man, eine neue Energiequelle in der Kernspaltung in Kernkraftwerken gefunden zu haben. Bei der gesteuerten Kettenreaktion der Kernspaltung werden tatsächlich ungeheure Energiemengen bei einem vergleichsweise geringen Einsatz von Rohstoffen – nämlich radioaktiven Urans – erzeugt. Doch von Anfang an waren auch die damit verbundenen Risiken bekannt: Die aufwändige Gewinnung von Uran, die Gefahr einer außer Kontrolle geratenen Kettenreaktion und der damit verbundenen radioaktiven Verstrahlung großer Regionen sowie und nicht zuletzt die Entsorgung nicht mehr benötigter Brennstäbe. Dennoch setzten zahlreiche Staaten seit Jahrzehnten auf den Bau von Kernkraftwerken. Die meisten davon stehen heute in den USA (über 100). Insgesamt gibt es zirka 440 solcher Anlagen weltweit, die sich auf 31 Länder verteilen. In Deutschland stehen 17 Kernkraftwerke. Sie zählen bezüglich ihrer Leistung zu den größten.
Spätestens seit dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima gibt es Anzeichen einer tendenziellen Abkehr von dieser letztendlich nicht zu beherrschenden Technologie. Anzeichen deshalb, weil zum einen nach wie vor in einigen Ländern neue Kernkraftwerke geplant und gebaut werden, andererseits durch politische Entscheidungen dieser Prozess teilweise rückläufig ist und eine Abkehr von der Kernspaltung auch in anderen Staaten zunehmend in den Focus der Überlegungen gerät. Auf jeden Fall wird der völlige Ausstieg aus der Reaktorenergie noch Jahrzehnte dauern, selbst wenn heute dazu politische Entscheidungen fallen. An dieser Stelle wird ausdrücklich auf die Bezeichnung „Atomenergie“ verzichtet. Zu dieser zählt nämlich auch die Fusion von Atomkernen zur Energiegewinnung. Seltsamerweise hört man darüber in den Medien aktuell recht wenig, mit Ausnahme von Spiegel oder FAZ. Warum eigentlich? Ist das Wissen darüber nur Eliten vorbehalten?
Die Idee, Atomkerne nicht zu spalten, sondern sie zu fusionieren, gibt es schon seit Mitte des vorigen Jahrhunderts. Die Forschungsarbeiten dazu laufen bereits seit 1960. 1970 gab es die erste gesteuerte Fusion von Atomkernen in der Sowjetunion. Bei diesem Verfahren werden die Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium verschmolzen, was zur Freisetzung enormer Energiemengen führt. Um diesen Prozess in Gang zu setzen, sind Temperaturen von 100 Millionen Grad nötig, also weitaus höhere, als auf der Sonne herrschen.
Angesichts dieser kaum vorstellbaren Bedingungen könnte man meinen, die Kernfusion als Methode zur Energiegewinnung sei schlicht unmöglich. Wissenschaftler, auch des Max-Planck-Institutes, sehen das ganz anders. Sie erwarten erste Ergebnisse ihrer Forschungen bereits 2014 mit dem Versuchsreaktor „Wendelstein 7-X“ in Greifswald. In Cadarache in Südfrankreich wird seit 2005 an dem Projekt ITER (International Thermonuklear Experimental Reactor) gearbeitet. Beteiligt sind daran die EU, USA, Japan, China, Russland, Südkorea und Indien. Bereits an dieser Aufzählung wird sichtbar, dass ein solches Projekt auf nationaler Ebene nicht mehr zu stemmen ist. Die Fertigstellung des Reaktors in Südfrankreich ist für 2014 geplant. Die Baukosten belaufen sich auf (mindestens) 4,6 Milliarden Euro. Der Betrieb wird noch einmal so viel verschlingen. Eine Lösung des Problems, nämlich die Produktion von Elektroenergie aus der Kernfusion, wird 2040 erwartet.
Noch klingt das alles sehr utopisch. Die theoretischen Grundlagen sind jedoch bekannt, der Weg zur Realisierung dieses Vorhabens ist abgesteckt. Natürlich finden sich auch Stimmen, die gegen diese Forschungsprojekte zur Kernfusion auftreten, allerdings nicht aus Sicherheitsgründen. Manche befürchten, dass die Kosten aus dem Ruder laufen und bezweifeln, dass dieses Projekt jemals erfolgreich sein wird. Windräder stehen bereits und liefern Strom. Soll man deshalb auf die Forschung nach weiteren zukunftsträchtigen Energiequellen verzichten?
Wir werden noch viele Jahrzehnte mit den Kernreaktoren leben müssen. Gleichzeitig ist es erforderlich, alternative Energiequellen zu finden und wirtschaftlich zu nutzen. Es geht nicht um entweder oder, sondern um sowohl als auch. Wir werden dezentrale Einrichtungen zur Energieerzeugung benötigen, aber auch große, zentrale Anlagen für den Bedarf von Industrieanlagen. Gut ist, dass es zu einer breiten Diskussion gekommen ist. Die Lösung des Energieproblems der Zukunft darf keine Angelegenheit einiger Stromkonzerne bleiben.
Wolfgang Kirschner

Bei der Frage der Stationierung von Kernwaffen in Deutschland halten sich unsere Politiker vornehm zurück. Zwar hatte Herr Westerwelle vor einigen Jahren verkündet, Deutschland müsse atomwaffenfrei werden. Tatsächlich ist aber nichts passiert. Im Fliegerhorst Büchel in der Eifel lagern nach wie vor etwa 20 Atombomben der US-Streitkräfte. Statt ihrer Rückführung sollen sie nun sogar modernisiert werden. Wenn schon ein Atomausstieg begonnen wird, dann doch bitte vor allem bei atomaren Waffen. Andererseits verliert man als Politiker schnell seine Glaubwürdigkeit.
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 29. November 2012 )