Wie sicher ist Wandlitz? (Nr. 48)
An der B109 wachsen schöne Blumen und Sträucher und auch sonst wird in der Gemeinde geputzt und verschönert. Das erfreut unser Herz und wir fühlen uns wohl in der Gemeinde.
Allerdings gibt es auch Menschen
unter uns, die es mit dem Wohlfühlen übertreiben. Teenager, also 13- bis 19-jährige Jugendliche, finden sich häufig hinter dem Edeka-Supermarkt neben dem Bahnhof Wandlitzsee auf einer Bank oder manchmal auch auf zwei Bänken zu früher Abendstunde ein, um reichlich Alkohol zu genießen, um dann mit vernebelten Sinnen vorbeigehende Passanten zu belästigen. Je nach Laune und Alkoholpegel kommen dann Ideen, die kein normaler Mensch für möglich hält.
Im Alkoholrausch werden Fahrräder gestohlen und man fährt aus Langeweile einfach so herum. Das Rad wird dann später einfach irgendwo hingeschmissen. Der ahnungslose Eigentümer hat dann ein Problem. Oder es werden ganz bewusst Jugendliche aus der Szene, die jünger als 16 Jahre alt sind, angehalten oder gedrängt, im Supermarkt „Hochprozentiges“ zu stehlen. Wenn es schief geht, folgt keine Strafe, wegen des zu geringen Alters. „Wettsaufen“ ist noch ein harmloses Spiel. Wer dann im Koma liegt, wird „Tatütata“ vom Rettungsdienst geholt und nüchtert im Krankenhaus aus – ohne Konsequenzen. Zwei Tage später geht es erneut mit dem Trinken weiter. Die Gesellschaft fängt alles auf.
Mancher der Jugendlichen ist neidisch auf Andere und hasst dann den Anderen. Der Zufall kommt wie er kommt. Ausgerechnet der, den man hasst, den man auf dem „Kieker“ hat, steigt ahnungslos aus der Heidekraut-Bahn und will nur brav nach Hause. Man sieht ihn und in der Bande wird, natürlich unter Alkoholeinfluss, gewettet, wer DEM als erster eins in die Fresse haut. Der hat dann gewonnen und ist der Größte. Dem ohne Ahnung herankommenden Jugendlichen stellt man sich in den Weg und umzingelt ihn. Auf seinen Wunsch, passieren zu dürfen, wird ihm blitzschnell von einem der Beteiligten die Stirn an seinen Kopf geschlagen. Der junge Mann ist völlig überrascht und von dem Schlag benebelt. Dies reicht dem Angreifer, um einen Schlagring aus der Tasche zu ziehen. Mit dieser Waffe schlägt er das Opfer in Augennähe blutig. Und so weiter und so weiter. In der Bande ist der Täter der Held, der Mutigste. Er wird geachtet und gefürchtet. Er ist das „Führungstier“ in der Herde. Die Gesellschaft fängt auch dies auf.
Die Polizei zieht den Täter aus der Gesellschaft. Er wird verhaftet, verurteilt, bestraft. Allerdings wachsen neue Herdenführer heran und somit ist das Problem nicht gelöst. Gehen wir zum Alltag über und vergessen? Ich kann das nicht vergessen. Das Opfer tut mir so unendlich leid. Es hat mein tiefes Mitgefühl von ganzem Herzen. Morgen ist eventuell mein Sohn im Visier der Gewalt auf Wandlitzer Straßen. Derartige Dinge passieren ja nicht zum ersten Mal. Der oder die Täter sind bei der Polizei bekannt. Die Exekutive kann nur die Täter aus dem Verkehr ziehen oder die Personalien aufnehmen. Verschiedene Passanten meiden diesen Bereich bereits und benutzen andere Wege. Wer will schon belästigt oder gar geschlagen werden. Damit reagiert die Gesellschaft nur. Ich wünsche mir ein agieren der Gemeinde, nicht nur reagieren. Schauen wir doch genauer hin.
Offensichtlich haben diese Jugendlichen Langeweile. Sie wissen mit sich nichts Sinnvolles anzufangen. Sie kommen meist aus sozial schwachen und labilen Familien, aber nicht nur. Freizeitbeschäftigungen wie Reiten, Golf und Tennis können sie sich nicht leisten. Zum Fuß-, Hand- oder Volleyball haben sie keine Lust. Der Jugendclub in Basdorf ist zu weit weg. Das ist die Situation.
Wir brauchen wie in Berlin Streetworker, die sich mit den Jugendlichen beschäftigen, sich mit den Jugendlichen unterhalten und sie verstehen. Wandlitz braucht professionelle Leute, die den Teenagern helfen und ihnen zeigen, wo man sich hinwenden kann, wenn man ein Problem hat. Ähnliche Strukturen gibt es bereits für Frauen in Not. Ich denke, der Jugendclub in Basdorf reicht nicht für alle Ortsteile der Gemeinde. Das Potential ist in der Gemeinde vorhanden. Radwege, Straßen- und Museumsbau sind nicht alles. Die Jugend ist die Zukunft. Die Gemeinde sollte zeitnah in die Zukunft, in die Jugend investieren und nicht nur auf Straftaten reagieren. Junge Menschen wollen Aufgaben haben, wollen etwas erreichen. Sie wollen sich selbst beweisen und dies nicht wirklich mit einem Schlagring auf der Straße. Sollte die Gemeinde weiter nur reagieren, wird es schlimmer und unsicherer werden.
Das können schöne Blumen und Sträucher auch nicht vertuschen.
Wolfgang Kirschner
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 30. Mai 2013 )