Baumzählung für den Liepnitzwald (Nr. 54)
Wer etwas will, unternimmt Aktivitäten, welche ihn zum Ziel führen. Sollte er baumzaehlung-1-webscheitern, unternimmt er neue, andere Aktivitäten, um zum Ziel zu kommen. Und es sei an dieser Stelle klar und deutlich gesagt: Wer etwas nicht will, sucht nach tausend Ausreden und Gründen es nicht zu tun. So trennt sich Spreu vom Weizen. Wir alle kennen nun die Planungskommission zur Feststellung von Windeignungsgebieten im Barnim. Wir alle wissen, dass diese Kommission plant, über 380 Hektar, das sind 3,8 Millionen m² oder 3,8 km², also rund zwei mal zwei Kilometer besten Waldes (Buchen, Kiefern, Eichen, Tannen usw.) für Windkraftanlagen (WKA) von zukünftigen Investoren, welche in den Startlöchern warten, roden zu lassen. Bis jetzt ist die Mehrheit der Wandlitzer gegen diese Pläne. Doch beim Thema WKA in Wohnnähe von Klosterfelde und Stolzenhagen herrschte keine Einigkeit bei den Gemeindevertretern. Wie gesagt, wer etwas nicht will, der …
Zurück zum Liepnitzwald. Eigentlich darf man im Wald keine Industrieanlagen errichten. Bei WKA ist es etwas anders. Hier hat sich die baumzaehlung---2-webWKA-Lobby eine Hintertür eingebaut. Wald ist eben nicht gleich Wald. Bei reinem forstwirtschaftlich genutztem Kiefernwald darf gerodet und WKA errichtet werden. Ab wann gilt nun ein Wald als reiner Kiefernwald und wer legt dies fest? Kann sich ein Wald im Laufe der Jahrzehnte ändern, also ein ehemals als Kiefernwald bepflanztes Areal mit 100 Prozent Kiefern wird nach zirka 70 Jahren zum Mischwald? Wird der jetzige Zustand des Waldes in den entsprechenden Unterlagen dargestellt oder der von vor zum Beispiel 70 Jahren? Dies ist deshalb so wichtig, weil es zur Entscheidungsfindung, ob Windeignungsgebiet oder nicht, beiträgt. Die Entscheidungsträger sitzen im Büro in Potsdam und Eberswalde und entscheiden nach Aktenlage, nicht nach tatsächlicher realer Lage im Wald vor Ort. So hat die Bürgerinitiative „Hände weg vom Liepnitzwald“ aufgerufen zum Baum zählen und bestimmen. Das Ziel dieser am 6. April 2014 durchgeführten Aktion war es, aktuelle Zahlen zum Zustand des Waldes zu liefern. Auf dem über 3,8 km² großen Waldstück kann man natürlich nicht alle Bäume zählen und erfassen. Auch hier gibt es Regeln. Wenn man im besagten Gebiet sich wahllos Teilstücke herausnimmt und hier zählt und erfasst, so hat man eine repräsentative Erfassung des IST-Zustandes zum Zeitpunkt. Man macht danach eine Hochrechnung auf das gesamte Areal. Bäume dürfen auch nur ab einem bestimmten Umfang in einer bestimmten Höhe erfasst werden. Damit kein Baum doppelt gezählt oder andere Bäume vergessen werden, markiert man erfasste Bäume mit Lebensmittelfarbe ohne chemische Zusätze. Sogar das Anbringen von Plastikbändern an den Bäumen ist nicht genehmigt. Mit diesen Regeln vertraut gemacht, gingen wir 34 Baumzähler, 12 Kinder und Hunde bei sonnigem Frühlingswetter los und markierten drei einzelne Hektar an unterschiedlichen Stellen im betroffenen Waldgebiet. Die Zähler, Schreiber und Kennzeichner teilten sich in drei Gruppen und begaben sich jeweils zu einem Hektar Wald. In meiner Gruppe stellten sich alle nebeneinander auf hundert Meter verteilt auf und durchkämmten das Waldstück hundert Meter in die Tiefe. Dabei wurden alle Bäume mit einem Umfang größer fünf Zentimeter in einer Messhöhe von 1,2 Meter erfasst, gruppiert und markiert. Für die Kinder war es ein tolles Erlebnis im Wald und die Erwachsenen kamen sich bei Gesprächen näher. Die Zähllisten wurden im Nachgang zusammengeführt und ausgewertet nach verschiedenen Gesichtspunkten. So befinden sich in dem Wald über 30 Prozent reine Rotbuchen und weitere 47 Prozent sonstige Laubbäume. Die restlichen 23 Prozent teilen sich alle vertretenen Nadelhölzer, wobei die Kiefer am stärksten vertreten ist. Der gesunde Menschenverstand spricht hier nicht mehr von einem reinen Kiefernwald. Wenn man die Baumdicke analysiert, so kommt man zu dem Ergebnis, dass es sich um einen eher jungen Wald handelt, da prozentual die dünnen Bäume stärker vertreten sind. Bäume mit mehr als 40 Zentimeter Umfang sind beispielsweise nur noch mit sieben Prozent vertreten. In einem Mischwald mit über 75 Prozent Laubbaumanteil darf man nicht zulassen, dass WKA gebaut werden dürfen. Nicht nur aus diesem Grund bitte ich jeden einzelnen Leser, der etwas für unseren Wald tun möchte aber nicht weiß was, Widerspruch einzulegen gegen die Planung dieses Windeignungsgebietes. Die Dringlichkeit ist geboten, da die Frist am 30. Juni 2014 abläuft. Wie man einen Widerspruch formuliert, kann man unter www.pro-liepnitzwald.de nachlesen. Es sollten aber schon die eigenen Worte sein und keine Kopien, da gleiche Widersprüche zu einem zusammengefasst werden.
Es bleibt dabei: Wer etwas erreichen will, wird aktiv! Wer nicht will, sucht nach Gründen, es nicht zu tun!
Wolfgang Kirschner
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 6. Juni 2014 )