Stolzenhagens jüngster „Öko-Kapitalist“ (Nr. 56)
Sie kennen ihn nicht? Das ist schade. Paul Koch heißt dieser Ökofan, wohnt im Eck von Spree- und Weichseltal der Kolonie West. Nein: Paul ist kein großer Kerl. Paul ist ein ganz spitzbübischer „Drei-Gurkenhoch“, ein im wahrsten Sinne „grüner Junge“, gerade sechs Jahre, wieselflink, mit Stoppelhaar und blitzenden Augen. Aber im Unterschied zu anderen Knirpsen, die sich alle Wünsche sponsern lassen, hat er für’s Erfüllen von Träumen seine eigene, ja, tolle Idee.
Weil Vater Markus und Mutter Sabine ihr verdientes Geld für seine wachsenden Anliegen nicht einfach so über den Tisch schieben wollten, wurde der Weg zum Erwerb eines Spielzeu
veggi-paul1-webgtraumautos in mehreren Sitzungen am Familienstammtisch zu dritt so richtig hin und her thematisiert.
Ergebnis der Diskussionen zwischen alt und jung: Ein teures Spielauto ohne Geld zu bekommen geht nicht. Eurogeschenke dann und wann sind auch keine schnelle Quelle. Finanzieren der Wünsche durch Arbeit wäre wohl die sicherste Lösung. Schon war – und das bereits im Frühjahr 2013! - „Pauls Taschengeldprojekt“ als pfundige Geschäftsidee geboren.
In Startup-Paul erwachte das Eiferfieber, wie die Eltern (nun) stolz erzählen. Einige Sammelideen von Plastik-Flaschen, Papier, Kolonie-Schrott wurden geboren. Nachbarschaftshilfen, gar Autopflege für Geld oder Zeitungen austragen wurden diskutiert, aber vom kleinen Paul schnell ad acta gelegt, denn dazu fehlte ihm ja noch die Kraft.
Er besann sich auf die „eigene Scholle“ und wollte unbedingt Gemüse zum Verkauf produzieren. Nun waren die Eltern, oh Schreck, wieder gefragt, Pauls fordernde Vorschläge zu unterstützen. Klar: Öko sollte es sein. Das war Pauls Wille und wohl auch ein Ergebnis der Beschäftigungen aus seiner Kita „Waldgeister“. Schnell sprudelten wichtige Nachfolgeideen zur Realisierung des unternehmerischen Projekts: Ein schneckensicheres Hochbeet anlegen, ausreichend Freilandfläche für Beete entkrauten, um immer liefern zu können. Dann: Unbedingt ein Gewächshaus bauen, um schon frühzeitig am Markt zu sein. Weiter: Quelle für Kompost und Pferde-Natur-Dünger sichern. Ein Verkaufsstand vor der eigenen Tür musste her. Letztlich war für den erhofften „Kundenstrom“ no
veggi-paul2-webch Sichtwerbung erforderlich. Viele kleine bunte Flyer für die Anwohner des Ladens mussten gedruckt werden.
Klar: Damit war nun das ganze Konferenztischteam gefordert. Der Firmenname „Pauls Gemüse-Corner“ war für die Vermarktung bald gefunden.
Die notwendigen Produktionsvoraussetzungen wurden von Vater und Sohn in echter Männergemeinschaft errichtet: Paul lernte, seinen Eckladen mit Stichsäge und Akku-Schrauber zu zimmern. Mutter Sabine führte Pauls Hand bei der lustigen Schriftgestaltung des Schilds „Veggi-Paul“. Vater Markus verdichtete mit ihm auf dem Computer seine Gestaltungswünsche zur flotten Handzettelwerbung. Diese bugsierte Paul eigenfüßig durch die Gegend in die oft zu hohen Briefkästen der Anwohner. Dadurch kannte er schnell die ganze Kolonie West. Und diese nun ihn. Gespräche mit allen möglichen Leuten zum Bio-Projekt wurden da geführt. Das waren gewünschte Herausforderungen der Eltern für ihren Paul zum Umgang mit den Nachbarn.
Daheim aber kein Ende der Arbeit: Woher guten Pferdedung bekommen? Wie ziehe ich aus Samen starke Produkte? Was muss ich schon im Vorjahr pflanzen? Kresse, Petersilie, Mangold, welche Samen nehme ich am besten? Wann und wie viel bewässert man? Kann ich bei Öko-Anspruch Schneckenkorn verwenden? Viele Fragen mussten beantwortet werden... Dabei waren die Eltern selbst wieder gefragte wie gequälte Lern-Partner. Man kämpfte letztlich gemeinsam um den „Grünen Daumen“...
Machen wir’s nun kurz: Der Laden läuft. Pauls Börse füllte sich. Was im Garten gedeiht, das bietet Paul mit Kasse des Vertrauens auf seiner Ladentheke an. Aus der Laufkundschaft wurden Stammkunden. Schon elf wissen das immer frische (leider noch lockere) Angebot zu schätzen. Nicht immer hat man als Zufallskunde das Glück, Gewünschtes zu erwischen. Aber man kann ja bei Veggi-Paul in seiner kitafreien Zeit klingeln und fragen. Hund „Dufte“ begrüßt einen dann. Auch ein Paul-Pflege-Projekt seiner klugen wie liebevollen Eltern. Beide immer anregend, immer fordernd. Natürliche Eltern, pädagogisch „grün“ im besten Sinne.
Hat der kleine Veggi-Öko-Kapitalist weitere Pläne? Natürlich! Er verrät: Vielleicht im nächsten Jahr ein weiteres Beet anlegen. Etwas vom Verdienten in Samen stecken. Schon sicher der Gedanke, für treue Kunden einen Lieferservice einzurichten. Deren Wünsche will er erfragen und danach die Produktion ausrichten. Und beobachten will er, was man woanders nicht so öko-frisch bekommt. Gewürze vielleicht. Das möchte er dann für seinen kleinen Markt produzieren. Eben: Angebot der Nachfrage anpassen. Aber, ehrlich, diese Formel hat Pauls Vater dann im Interview für seinen Sohn beigesteuert.
Hermann Berger
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 1. Oktober 2014 )