Gedanken zu Konrad Wolf (Nr. 60)
Im Heft 59 auf Seite 17 wird an Konrad Wolf erinnert. Das erfreut mich sehr. Koni Wolf ist und bleibt unvergessen. Er würde in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag haben; er könnte also noch unter uns sein.
Ich
übergebe hier ein Zitat aus Wolfgang Kohlhaase „Um die Ecke in die Welt“, Verlag neues leben, S. 250:
„ICH WAR NEUNZEHN war eine Arbeit, bei der wir uns gut fühlten, alle die dabei waren, aber Wolf war vielleicht besonders glücklich. Es war seine eigenste Geschichte, ohne dass sie, wie er zuerst befürchtet hatte, nicht nachvollziehbar wurde, er machte einen historischen und zugleich seinen persönlichsten Film. Beim Drehen bewegte er sich wie damals in zwei Sprachen. Er war wieder in Bernau, wo er tatsächlich Kommandant gewesen war, was er, glaube ich, vorher kaum jemand erzählt hatte. Nach dem Film wurde er Bernauer Ehrenbürger, nach einem Bierbrauer und einer Hebamme der Vierte. Den Dritten fragte er, der Idylle misstrauend, aus den verlegenen Stadtvätern heraus, der Dritte, sein Vorgänger, war Hitler“.
Das muss nicht umständlich kommentiert werden. Aber zweifellos ist wohl, dass Geschichte immer die ganze Geschichte ist. Ihre weniger freundlichen Begebenheiten zu ignorieren, ist nicht hilfreich.
Außerdem: Wir sind souverän genug, damit umzugehen.
Werner Wüste

Anmerkung der Redaktion
Wir hatten zu diesem Beitrag die Stadtverordneten von Bernau gebeten, sich bei der Problematik der Ehrenbürgerschaft auch mit Konrad Wolf zu befassen. Der Bürgermeister, André Stahl hat unbürokratisch und kurzfristig veranlasst, dass an der Stadtmauer neben dem Relief für Konrad Wolf eine Ehrentafel angebracht wurde. Durch eine Verfügung ist das Ehrenbuch der Stadt Bernau, in dem auch Hitler eingetragen war, vor einigen Jahren geschlossen worden. Dessen „Ehrenbürgerschaft“ ist somit annulliert.