700 Jahre Lanke (Nr. 61)
schloss-lanke-2015-cDer Zeitpunkt der Gründung eines Ortes oder einer Stadt wird meist mit der ersten urkundlichen Erwähnung in irgendeinem Schriftstück in Verbindung gebracht. So ist das auch mit Lanke.
Die erste
urkundliche Erwähnung
findet sich in einem Schriftstück vom 24. Dezember 1315. Darin erfolgte die Bestätigung der Besitzungen und Rechte der Stadt Biesenthal in lateinischer Sprache durch den Markgrafen Johann V., „dem Erlauchten“. Wörtlich heißt es da: „que ducit versus Lancke“ – „bis zum Wege welcher nach Lancke führt“. Eine Urkunde mit direktem Bezug zu Lanke stammt vom 24. Februar 1347. In dieser verlieh der Markgraf Ludwig I., „der Brandenburger“, einem Knappen Fridolin Sessel Einkünfte in dem „ville Lanken“ – „Dorf Lanke“. Im Landbuch von 1375 wird die Größe des Dorfes mit 36 Bauernhufen und 12 Kossäten (Kleinbauernhöfe) angegeben.
Aus dem ursprünglichen Text kann man getrost ableiten, dass Lanke 1315 bereits bestanden haben muss. Woher sonst sollte der Empfänger des Schreibens den Namen kennen?
Der Ortsname stammt vom slawischen "Laka" und bedeutet „Wiese, Krümmung oder Bucht“. Er bezieht sich wahrscheinlich auf den Hellsee und die Krumme Lanke. Die Geschichte des Dorfes ist durch einen ständigen Besitzerwechsel geprägt.
Seit etwa 1415 war Lanke im Eigentum der Burg Biesenthal. Die Biesenthaler Burgherren verkauften den Besitz 1620 an Friedrich von Götze aus Zehlendorf. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel kam die Herrschaft Lanke 1827 in den Besitz derer von Redern.
Während des 30jährigen Krieges fanden nahezu alle Bewohner den Tod und der Ort wurde bis auf eine Bauernstelle als völlig „wüst" bezeichnet. Nur ein Müller soll den verlassenen Ort noch bewohnt haben. Erst 1734 zählte Lanke wieder 126 Einwohner, ebenso viele wie 1624.
Graf Friedrich Wilhelm von Redern ließ nach dem Kauf des Gutes den östlich anschließenden Lustgarten in einen Landschaftspark umgestalten. In den Jahren 1856 bis 1858 wurde dann im Auftrag des Grafen das alte Gutshaus im Stil der französischen Renaissance schlossähnlich überbaut. Die Arbeiten gehen auf Pläne des Architekten Eduard Knoblauch zurück. Zur damaligen Zeit wurde das Gebäude nach seinem Besitzer auch Landhaus Redern genannt, später
volkstümlich Schloss Lanke. Die ursprüngliche Annahme, dass der Park, der sich bis zum Hellsee erstreckt, auf Entwürfe von Peter Joseph Lenné zurückgehe, hat sich nach neueren Erkenntnissen nicht bestätigt. Trotzdem: Lanke ist der einzige Ort in der Gemeinde Wandlitz, der ein Schloss mit einem Park vorzuweisen hat.
Im Juni 1866 brannte das Dorf durch Funkenflug fast vollständig nieder. Ein Grund dafür war die damals noch vorhandene Schilfeindeckung der meisten Häuser. Nur das Schloss und vermutlich ein Bauern- und ein Fischerhaus, in dem später die neue Schule eingerichtet wurde, blieben unversehrt. Schon 1867 bis 1868 erhielt Lanke für die durch den Brand zerstörte Kirche eine neue Backsteinkirche in neugotischem Stil, finanziert durch die Familie von Redern.
Die Grafen von Redern waren um 1900 mit dem 4.500 Hektar umfassenden Gutsbezirk Lanke die größten Grundbesitzer des Niederbarnim. Das Gut samt Landhaus und seinen Nebengebäuden wurde 1914 an die Stadt Berlin verkauft, die damit in den Besitz ausgedehnter Wälder in ihrem nördlichen Bereich gelangte. Sie sollten als Erholungsgebiete für die Bevölkerung Berlins und al
s Frischluftschneise für die ausufernde Großstadt-Bebauung erhalten werden. Schon Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Fremdenverkehr in Lanke und dem nahe gelegenen Ützdorf. Für die Berliner Ausflügler entstanden mehrere Gaststätten und Pensionen sowie am Obersee eine Badeanstalt.

Ützdorf ist ein Ortsteil von Lanke. Hier befinden sich ein Hotel und die älteste Jugendherberge Deutschlands. Von hier aus ist der Liepnitzsee, einer der schönsten Badeseen in unserer Gegend, gut zu erreichen.

Zur Ortschaft Lanke gehört ein weiterer Siedlungsbereich: Bogensee. Hier wohnen heute rund 100 Menschen. Das Gelände könnte schlagartig an Bedeutung gewinnen, wenn sich für die ehemalige Jugendhochschule, die seit Jahren im Dornröschenschlaf vor sich hin däm
700-jahre-lanke-s.9mert, ein kompetenter Nutzer fände. Übrigens konnte man in dem gleichnamigen See in früheren Jahren durchaus baden. Sogar eine echte finnische Sauna lud am Ufer zum Besuch ein.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch das kleine Anwesen Arendsee zur Lanker Liegenschaft gehört. Damit hat Lanke drei zusätzliche Ortsteile. Kein anderer Ort der Gemeinde kann da mithalten. Mit seinen rund 600 Einwohnern gehört Lanke zu den kleinsten der Gemeinde Wandlitz. Nur Prenden hat weniger Einwohner.

Lanke war und ist ein Erholungsort mit vielen Facetten. Es gibt mehrere Badeseen, Hotels, Gaststätten, Parkplätze, die allerdings bei schönstem Sommerwetter kaum ausreichen.
Der Ort ist von Wäldern umgeben und hat sogar einen eigenen Autobahnanschluss.

Lanke war in seiner langen Geschichte immer im Besitz von Burgherren, Grafen und anderen Gutsbesitzern. Vielleicht erklärt sich daraus das Bestreben, sich als eigenständiger Ort zu etabliere
n. Mit der Umwandlung des Amtes zur Gemeinde Wandlitz durch Landesgesetz am 26. Oktober 2003 verlor Lanke seine Selbständigkeit. Die ehemalige Gemeinde ist seitdem ein Ort der Gemeinde Wandlitz. Eine Verfassungsklage gegen diese Entscheidung wurde am 16. Juni 2005 durch das Verfassungsgericht des Landes Brandenburg zurückgewiesen. Nun gilt es also, sich als ein fester Bestandteil der Gemeinde zu behaupten. Die geplanten Bauvorhaben für die Freiwillige Feuerwehr, den Kindergarten und das Gemeindehaus sind da ganz sicher ein richtiger Weg, den man allerdings mit Augenmaß und unter der Prämisse der Machbarkeit gehen sollte. Ohne die Zugehörigkeit zur Gemeinde Wandlitz wären diese Bauvorhaben kaum zu realisieren. Lanke ist der einzige Ort, der seit vielen Jahren keinen eigenen Gemeindevertreter gestellt hat. Hier ist bestimmt Nachholbedarf gegeben.

Nun feiert Lanke sein 700-jähriges Bestehen. Die ersten Veranstaltungen fanden bereits am 6. Juni mit einem Chor- und Orgelkonzert sowie einem Benefizkonzert des Bundespolizeiorchesters im Lanker Schloss mit großem Erfolg statt. 350 Gäste konnten begrüßt werden.
Am 4. Juli gab es den Lanker Jubiläumslauf mit immerhin 25 Läufern. Danach landete „Neptun“ am Ufer des Obersees. Und das bei fast 40 Grad Celsius und deshalb mit Unmengen von Gästen.

Wir wünschen unseren Mitbürgern auch für die kommenden Höhepunkte viel Spaß und für die Zukunft viel Erfolg.
Horst Schumann
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 4. August 2015 )