Der Wolf im Barnim? (Nr. 63)
Eine aktuelle Ausstellung im Barnim Panorama W ölfe gehören zu den bekanntesten Raubtieren und waren zu früheren Zeiten auf der gesamten nördlichen Erdkugel vertreten. Ihr Bestand ist in den letzten Jahrhunderten teilweise stark zurückgegangen. Das ist zum Einen auf eine Bejagung der Tiere zurückzuführen. Der Wolf galt in vielen Gebieten als Feind des Menschen. Wölfe griffen schon mal Menschen an und verletzten sie auch tödlich. Viel schwerwiegender ist jedoch der Eingriff in den Lebensraum des Wolfes durch eine intensive landwirtschaftliche Nutzung des Kulturraumes. Das führte dazu, dass sich die Wolfsrudel immer weiter zurückzogen. In unseren Breiten sind sie vor allem im Osten Europas beheimatet. In Deutschland gab es seit Anfang des 20. Jahrhunderts keine Wölfe mehr, nach dem das letzte Exemplar in der Lausitz erschossen wurde. Erst in den letzten Jahren kam es zur allmählichen Wiederansiedlung. Heute gibt es in Brandenburg drei Rudel, die auch Nachkommen aufziehen. Sie haben sich vor allem auf ehemaligen Truppenübungsplätzen angesiedelt, also abseits menschlicher Behausungen.
Bei vielen Bürgern herrscht Unbehagen und Angst vor diesen Raubtieren. Das hängt einerseits mit mangelndem Wissen im Umgang mit den Tieren zusammen. Auch durch Geschichten, Sagen und Märchen gibt es bei vielen Menschen eine eher ablehnende Haltung zu den Tieren. Um diese Wissenslücken zu schließen, wurde aktuell im Barnim Panorama eine Sonderausstellung eröffnet, die das Wissen über den Wolf erweitern möchte, um so Ängste abzubauen und den Umgang mit den Tieren zu versachlichen.
Den Ausstellungsgestaltern geht es darum, die Akzeptanz des Wolfes in unserer Natur zu erhöhen. Letztlich soll die Wiederansiedlung der Tiere stabil entwickelt werden. Der Wolf gehört zu den bekanntesten Raubtieren und besiedelt seit rund 100.000 Jahren die Erde. Die Ausstellung wendet sich deshalb nicht nur an den interessierten Besucher, sondern auch an verschiedene Zielgruppen, wie Landwirte und Tierzüchter, insbesondere an Schäfer und Ziegenhalter. Die in den vergangenen Jahren aufgetretenen Nutztierverluste durch den Wolf sind aber gering und können ohne weiteres ausgeglichen werden. In Brandenburg ist die Haltung von Nutztieren auf freien Weiden eher die Ausnahme. Auch deshalb halten sich Schäden durch den Wolf in Grenzen.
Auch die Jagdgemeinschaften und ihre Mitglieder sind verpflichtet, den Schutz der bei uns lebenden Wölfe streng einzuhalten. Geregelt ist dies im Bundesnaturschutzgesetz, das die Tötung von Wölfen strikt untersagt. Trotzdem gab es allein seit 2000 in Deutschland neun illegale Abschüsse von Wölfen. In einigen Fällen war den Tieren der Kopf abgetrennt worden, was auf Trophäensammler schließen lässt. Solche Taten sind absolut inakzeptabel.
Wenn man weiß, dass ein Wolfsrevier eine Größe von 150 bis 350 Quadratkilometer hat, dann dürfte auch klar sein, dass von einer Überpopulation keine Rede sein kann. Die Tiere legen täglich etliche Kilometer in ihren Revieren zurück und meiden in der Regel die Nähe zum Menschen. Zusammentreffen mit Wölfen sind eher die Ausnahme. Die teilweise tödlichen Folgen für den Menschen sind oft auf Tollwuterkrankungen zurück zu führen. In unserer Region gab es solche Zwischenfälle bislang nicht.
Es geht darum, dass wir mit den Wölfen leben wollen. Dazu gehören ein solides Wissen über diese Tierart und der richtige Umgang mit ihr. Deshalb ist die Ausstellung im Barnim Panorama auch für Kinder sehr interessant. Die Ausstellung wird noch bis zum 31. März 2016 zu sehen. Ein Besuch lohnt sich bestimmt für jeden.
Wolfgang Weidler
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 1. Dezember 2015 )