Vier ereignisreiche Abende (Nr. 63)
Auch die neuen Flüchtlinge in Basdorf werden von vielen willkommen geheißen Z ufällig fand die Versammlung in der Turnhalle der Basdorfer Grundschule zum Thema „neue Asylbewerberunterkünfte in
Basdorf“ exakt einen Tag nach einem der bestbesuchten Filmvorführungen der LöwenMovies im Wandlitzer Goldenen Löwen statt: der Film mit dem Titel „Madame Mallory und der Duft von Curry“ begeisterte mehr als 100 Besucherinnen und Besucher, die die Kulturbühne nach dem Ende der Vorführung mit der optimistischen Erfahrung verließen, dass die indische Einwandererfamilie, die sich da in einem französischen Dorf mit den Einheimischen zunächst heftig herrumzustreiten hatte, letztlich eine Bereicherung des Ortes geworden war.
Ganz anders die Stimmung von vielen der knapp 400 Besuchern bei der Bürgerversammlung am 8. Oktober, zu der Bürgermeisterin Radant eingeladen hatte. Sie konnte kaum ihre einleitenden Informationen ungestört zu Ende führen, da von Anfang an ein erregter, aufgebrachter, teilweise auch hasserfüllte Teil der Zuhörerschaft mit Zwischenrufen ihren Unmut darüber zum Ausdruck brachten, dass insgesamt 96 weitere Flüchtlinge (neben den schon jetzt im Übergangswohnheim in der Bernauer Chaussee untergebrachten) auf einem Grundstück in der Prenzlauer Straße Quartier in Basdorf finden sollen.
Auch wenn sowohl der Vertreter der Polizei wie auch Sprecher des Runden Tisches und die Bürgermeisterin, immer wieder darauf hingewiesen hatten, dass seit der Ankunft der ersten Flüchtlinge in Wandlitz im Januar 2013 kein einziges Kriminaldelikt, sei es Eigentums- oder Sexualdelikt, aus diesem Personenkreis zur Anzeige gekommen sei, wurde in lautstarken Zwischenrufen wie in emotionalen Diskussionsbeiträgen eins ums andere die Unterstellung verbreitet, mit den „jungen Männern aus Syrien“ wären „unsere Basdorfer Kinder oder Frauen“ in Gefahr.
Die Versammlung endete für alle unbefriedigend, einerseits weil sie eine noch weiter polarisierte Stimmung hinterließ, aber andererseits auch weil die Kritiker der Flüchtlingsaufnahme sich meist so verhielten, dass ein Dialog offenbar weder erwünscht noch möglich war.
Ich selbst hatte ja im Herbst 2012, nach einer ähnlich aufwühlenden Einwohnerversammlung im Goldenen Löwen, erlebt, dass danach eine mich völlig überraschende Welle der Hilfsbereitschaft und der Kreativität einsetzte, die, weit über unsere Ortsgrenzen hinaus als die „Wandlitzer Willkommenskultur“ bekannt wurde.
Ähnlich beim ersten Treffens eines Ortsteil-Ablegers des Runden Tisches für Basdorf, das am 13. Oktober im evangelischen Gemeindehaus in Basdorf stattfand. Alle 34 Teilnehmer waren fasziniert und berührt von der großen Bereitschaft aller Anwesenden, Hass und Aggressivität entgegenzutreten und auch den neu angekommenen Geflüchteten Basdorf ein herzliches Willkommen, gespendete Wintersachen, Vorschläge für Deutschunterricht anzubieten. Eine kurzfristige erste Möglichkeit der Begegnung zwischen Einheimischen und den Neubürgern war bis zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Ausgabe anvisiert, aber noch nicht definitiv beschlossen.
Ortswechsel: 5. November, 19:00 Uhr. Der Innenhof des Asylbewerberheims in der Bernauer Chaussee ist durch einen Flutlichtscheinwerfer taghell erleuchtet, zirka 80 Bewohner des Heims mischen sich mit rund 50 Bürgerinnen und Bürgern, Vertretern der Gemeinde und des Landkreises, die allesamt der Einladung des „Runden Tisches Willkommen“ anlässlich des dritten Geburtstages gefolgt sind. Der Sprecher des Runden Tisches, Diakon Peter Dudyka, hatte symbolisch eine Haltestelle errichtet, um daran zu erinnern, dass für viele 100 Menschen Wandlitz in den letzten drei Jahren eine Haltestelle auf der Flucht aus Kriegsgebieten vor politischer Verfolgung oder wirtschaftlicher Notlage wurde, ein Ort, der die Geflüchteten mit offenen Armen und einer ausgeprägten Willkommenskultur begrüßte.
Die Bürgermeisterin, Jana Radant wie auch die Sozialdezernentin der Kreisverwaltung Barnim, Silvia Ulonska gratulierten und bedankt sich beim Runden Tisch für die vielfältigen Initiativen zur Integration der Neubürger und gegen Hass, Ausgrenzung, Ausländerfeindlichkeit und die Zurückweisung der Hetz-Aktionen der neonazistischen NPD.
Ich selbst bin in meinem Diskussionsbeitrag auf den seit Anfang September anhaltend hohen Zustrom von Flüchtlingen über die „Balkanroute“ mit den Worten eingegangen:
„Ich glaube fest daran dass wir diese neuen Herausforderungen – so groß sie auch sein mögen – schaffen können, wenn wir den wicht
755_18997_163783_1_xxligen Satz nie vergessen, den Antoine de Saint-Exupery dem kleinen Prinzen in den Mund legt:
DU KANNST NUR MIT DEM HERZEN RICHTIG SEHEN. Ich wünsche dem Runden Tisch immer neue menschliche Bereicherung, Reifung und Erfahrung und die Gewissheit bei der Lösung der vor uns steh
enden Aufgaben: Einzelnen kann sie nicht gelingen, im gegeneinander, in der Aggressivität, im Hass wird sie nie zu lösen sein! Aber gemeinschaftlich, in dem wir versuchen, mit dem Herzen zu sehen, das Naheliegende anzupacken und unseren Nächsten bei der Hand zu nehmen, kann es gelingen!“
Mathis Oberhof

Der Autor hat als ehemaliger Koordinator des Runden Tisches über seine Erfahrungen ein Buch geschrieben, das unter dem Titel "Refugees Welcome – Die Geschichte einer gelungenen Integration – So können Sie Flüchtlungen helfen – Ein Mut-Mach-Buch" im Goldmann-Verlag erscheint.
Ab 21. Dezember 2015 als E-Book zum Preis von 7,99 Euro und ab 15. Februar 2016 als Paperback zum Preis von 8,99 Euro.
Zur Buchvorstellung am 15. Februar 2016 und einem bunten, multikulturellen Begegnungsabend mit den Wandlitzer Flüchtlingen unter Schirmherrschaft der Bürgermeisterin Jana Radant in der Kulturbühne „Goldener Löwe“ hat auch Ministerpräsident Dietmar Woidke seine Teilnahme zugesagt und wird neben Anderen aus dem Buch vorlesen.
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 2. Dezember 2015 )