Sensatiönchen, Spekulationen und Vermischtes (Nr. 66)
Zu einer Sonderausstellung im Barnim Panorama B ereits im Vorfeld der Ausstellung wurde über die Presse die Diskussion und Auseinandersetzung zu den Inhalten der Ausstellung geführt. Anlass gab dabei die Kulturamtsleiterin Claudia Schmid-Rathjen, die zwei Stories zum Besten gab: Das angebliche Attentat auf Erich Honecker und die Absetzung des Schulleiters der Erich-Weinert-Oberschule in Wandlitz auf Veranlassung von Margot Honecker.
Durch eine Zeitzeugin wurde die verzerrte Darstellung zu einem Vorgang an der Polytechnischen Oberschule „Erich Weinert“ gerade gerückt. Die ehemalige Schulleiterin, Regina Storbeck, bekannte abschließend in dem Artikel der MOZ vom 21.April 2016: „Die DDR war meine Liebe“.
Der Titel der Ausstellung „Eine Landschaft der Macht“ stehe als Symbol für den "abgehobenen Politik- und Lebensstil der Parteiführung der SED". Es sind gerade mal 25 Jahre seit dem Ende des Sonderobjektes „Waldsiedlung“ vergangen. Es gibt also noch etliche Menschen, die mit diesem Objekt aktiv oder passiv verbunden sind und teilweise sogar in unserer Gemeinde leben. Doch auf die Befragung dieser Zeitzeugen wurde durch die Macher der Ausstellung verzichtet. Zum einen wären sie schon sehr alt und außerdem stand zu befürchten, dass sie die Dinge aus ihrer Sicht schildern würden. So haben wir also uns mit Informationen abzufinden, die aus der Sicht der Ausstellungsmacher gewertet werden. Dass etliche von Ihnen bis 1990 im anderen deutschen Staat lebten, spielt offenbar keine große Rolle.
Da die Waldsiedlung zur Stadt Bernau gehört, wäre die Einbeziehung der Verantwortlichen von dort vielleicht ganz hilfreich gewesen. Doch von ihnen nahm niemand an der Ausstellungseröffnung teil. Vielleicht waren sie tatsächlich an diesem Tag zu einer Weiterbildung, wie Claudia Schmid-Rathjen verkündete. Möglich ist aber auch, dass man im Bernauer Rathaus kein Interesse an dieser Ausstellung hatte.
Ansonsten umfasst die Ausstellung zahleiche Kopien von Schriftstücken, die der Besucher nur mühevoll erfassen kann. Die wenigen Exponate, wie z.B. der angebliche Strohhut von Erich Honecker, erzeugen eher ungläubiges Schmunzeln. Mit sachlicher Information hat das nichts zu tun.
Verwundern kann die Aussage über die „soziale Kälte und das große Misstrauen“ zwischen den Bewohnern, also den führenden Parteifunktionären der DDR. Wenn dafür das Schicksal von Herbert Häber steht, der gerade mal ein Jahr dort wohnte, dann kommt man doch ins Zweifeln. Ebenso bleibt offen, was das Verhalten von Konrad Naumann mit sozialer Kälte oder der Landschaft der Macht zu tun hat. Es gibt noch genug Zeitzeugen, die dazu Konkreteres sagen könnten, wenn man wirklich an einer historischen Aufarbeitung interessiert gewesen wäre.
Die Ausstellung grenzt sich also auf das Leben der zirka 19 Familien ein. Sie bezieht in der weiteren Umgebung Objekte bis Groß Dölln (zirka 50 km) mit ein. Nur so kann die Ausstellungsfläche mit viel Lesestoff und Zeichnungen gefüllt werden. Die Ausstellungsmacher mussten das Jagdrevier in der Schorfheide mit dem gesprengten Waldhof „Carinhall“ von Göring und den Göbbelschen Zweitwohnsitz am Bogensee mit einbeziehen, damit ein Zusammenhang zwischen dem faschistischen System 1933 bis 1945 und der DDR hergestellt werden konnte.
Für die Ausstellung wurden Fördermittel von 50.000 Euro von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam zur Verfügung gestellt. In welchem Zusammenhang die Mitarbeiter beider Einrichtungen Elke Kimmel und Jürgen Danyel als Autoren des zur Ausstellung gehörenden Buches (Verkaufspreis 30 Euro) dabei zu den Fördermitteln stehen, haben wir nicht zu untersuchen. Wir möchten aber an dieser Stelle noch einmal ins Gedächtnis rufen, dass ein Förderprojekt des Bürgervereis Wandlitz in Höhe von 4.800 Euro durch Claudia Schmid-Rathjen abgelehnt wurde, weil es hierbei um „kommerzielle Interessen“ gehe.
Dass im kaltem Krieg das globale Wettrüsten für den Ernstfall einherging, mit dem Bau entsprechender Bunkeranlagen, ist eine Tatsache. Sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR entstanden Ausweichquartiere und Führungsstellen in der Nähe oder etwas weiter entfernt von den jeweiligen Regierungssitzen.
In dem Begleitmaterial zur Ausstellung „Waldsiedlung Wandlitz - Eine Region und die Staatsmacht“ werden von Elke Kimmel und Claudia Schmid-Rathjen die Umgebung und auch die Wohnhäuser im Innenring der Waldsiedlung ausführlich beschrieben. Es wurde dabei alles einbezogen, was irgendwie mit der Waldsiedlung im Zusammenhang stand oder hätte stehen können: Die Oberschule in Wandlitz, die Lehrersiedlung, konspirative Objekte des MfS, die Datsche von Abrassimow, dem Botschafter der UdSSR in der DDR, die Jugendherberge usw. usf. Vergessen wurden auch nicht die Jagdgebiete in der Schorfheide, der Bunker in Prenden, Schloss Dammsmühle und so weiter. Damit ist, so glauben wohl die Autorinnen, der Beweis für die „Landschaft der Macht“ erbracht.
Fehlen durfte in dem kleinen Büchlein (5 Euro) auch nicht die Story von dem angeblichen Attentat auf Erich Honecker. Dazu findet sich eine Tafel auch in der Ausstellung. Am Silvestertag 1982 gab es bei Klosterfelde einen Zwischenfall. Der vielen bekannte Ofensetzer Paul Eßling fuhr im betrunkenen Zustand mitten in die Fahrzeugkolonne von Erich Honecker. Nach einem Schusswechsel, der von Eßling ausgelöst wurde, erschoss sich dieser vor Ort. Grund seiner Amokfahrt war ein Zerwürfnis mit seiner Freundin Sieglinde Strietzel. Obwohl bereits damals klar war, dass es sich hier um kein Attentat handelte und der Autor dieser Geschichte, Dieter Bub, das auch nach der Wende einräumte, bietet offenbar dieses Ereignis auch heute noch genügend Stoff für „Historiker“ das immer wieder aufzuwärmen. Der Grund liegt auf der Hand: Ansonsten gibt es nichts Spekulatives zu berichten.
Die Ausstellung ist ein weiterer Versuch eifriger Geschichtsaufarbeiter, den ehemaligen DDR-Bürgern ihre geschichtliche Wertung zu deren früheren Leben zu vermitteln. Es werden sich doch einige Leser der Haltung von Regina Storbeck anschließen.
Wolfgang Weidler
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 26. Mai 2016 )