Baro und Euro (Nr.5)
Baro und Euro
Regio-Geld bald auch hier?
In rund 50 Regionen Deutschlands gibt es sie schon, wie auch in der Schweiz oder in Japan – die regionale Währung neben der gesetzlichen.
Erfunden, um die örtliche Wirtschaft anzukurbeln, ist sie allenthalben auch Streitobjekt, wird begrüßt oder bekämpft, benutzt oder verachtet. In zwei Nachbarkreisen, Barnim und Uckermark, soll es sie nun auch bald geben und damit auch in den Orten von Wandlitz. Darum bemühen sich die Kommunität Grimnitz e.V., Joachimsthal, und der Verein „Barnim- Uckermark- Regional“ e.V. sowie weitere Organisationen und Institutionen. Noch sucht man ein schlüssiges Konzept und einen Namen für das Zweit- oder Tauschgeld. Der Zweck der Sache besteht darin, den Abfluss des nominellen Zahlungsmittels aus der Region einzuschränken, die vorhandene Kaufkraft mithin dem engeren Wohnumfeld und dessen Wirtschaft, meist kleinen und mittleren Unternehmen, nachhaltiger zugute kommen zu lassen. Deshalb ist das Ersatzgeld auch nur regional gültig und kann anderweitig nicht verwertet werden. In der EU prüft man sogar, ob verschiedene der sogenannten Komplementärwährungen als europäische Regionalförderung anerkannt werden. Die Heimatwährung gibt es seit einiger Zeit bereits in Berlin (Prenzlauer Berg), wo sie sich einiger Beliebtheit erfreut. Der „Berliner“, so ihr Name, existiert in Nennwerten von 1, 5 und 10, kann also nur in diesen Größen benutzt werden. Ein „Berliner“ entspricht einem Euro, darunter liegende Beträge sind in Euro-Cent zu zahlen. Die organisatorische Basis für den „Berliner“ ist ein Netzwerk von kleinen und mittleren Unternehmen und Geschäften, die als Annahme- und Ausgabe- oder Umtauschstellen für diesen Zweck gekennzeichnet sind. Ein „Berliner“ ist ab Erstausgabe sechs Monate gültig, danach können die Scheine in neue, gültige umgetauscht werden, wofür eine Gebühr von zwei Prozent des Nennwerts erhoben wird. Diese Gebühr soll als Anreiz dienen, die Wertscheine nicht ungenutzt liegen zulassen, außerdem wird dadurch ein Teil der Unkosten des Netzwerks gedeckt. In einer Berliner Zeitung war gegen Ende vergangenen Jahres zu lesen, dass die Zahl der „Annahmestellen“ für den „Berliner“ stark zugenommen hat: „Waren es im Februar 36 Händler rund um den Kollwitzplatz, so wird die Kiez-Währung jetzt bereits in Geschäften in 17 Ortsteilen akzeptiert.“ Die regionale Verrechnungswirtschaft kann umso erfolgreicher werden, je mehr Geschäfte, Gaststätten, Gewerbebetriebe und auch Kommunen sich an dem Umlauf der Regionalwährung beteiligen. Die oben genannten Initiatoren wollen die Regionalwährung noch dieses Jahr einführen, wofür möglichst viele aktive Teilnehmer gefunden werden müssen. Des Namens könnten sie sich schon bedienen, wie er über diesem Text steht: BARO.                                          
HK-J
Kontaktadresse: Heike Becker, Tel.: (03332) 291495, E-Mail: heikebecker@swschwedt. Weitere Info: www.baum-regional.de

Thesen der Ökologin Margrit Kennedy zum Thema:
Wenn wir die sozialen Probleme unserer Zeit lösen wollen, dann wird das schwierig sein mit einem Geld, welches so konstruiert ist, dass es vorwiegend dahin fließen muss, wo es den größten Geld-Gewinn erwirtschaftet.
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Was wir brauchen, ist ein Geld, welches vorwiegend dahin fließen kann, wo es den größten sozialen, kulturellen oder ökologischen Nutzen stiftet. Wie solch ein Geld aussieht, zeigen neue und erprobte Modelle in vielen Teilen der Welt.
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Diese neuen Geldsysteme bezeichnen wir als „Komplementärwährungen“. Sie sind keine Alternative, sondern eine Ergänzung zum heutigen Geldsystem, und werden es weder abschaffen noch gefährden – im Gegenteil – sie werden helfen, das heutige System zu stabilisieren und länger am Leben zu erhalten. Deshalb sollten sie von Zentralbanken und Regierungen unterstützt werden.
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Komplementärwährungen können benachteiligte Regionen und soziale Bereiche (Bildung, Gesundheit, Freizeit) fördern, Hilfe zur Selbsthilfe leisten und Möglichkeiten zur Schaffung neuer finanzieller Liquidität bieten.
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 13. August 2006 )