Lanke mit Schloss, Seen und Sehenswertem (Nr. 72)
logo-lankeJa – es lohnt sich, dem beliebten Bade- und Erholungsort einen Besuch abzustatten. Im Laufe seiner Geschichte wechselten die Besitzer des Ortes und seine Einwohnerzahlen rapide. Im Gegensatz zu den anderen Ortsteilen von oberseebadestelleseit1906-bWandlitz gibt es hier erst eine urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1315. Darin sichert der Markgraf Johann V., welcher nur von 1302 bis 1317 lebte und mit
dessen kinderlosem Tod die Askanier-Linie Salzwedel erlosch, der Stadt Biesenthal Grundbesitz und adminis-trative Rechte bis zum Weg nach Lanke zu. Rund dreißig Jahre später, also 1347 wird schriftlich vom Markgrafen Ludwig I., welcher von 1315 bis 1361 lebte, festgehalten, dass ein tapferer Knappe namens Fridolin Sessel für seine Dienste Einkünfte aus dem Dorfe Lanke erhalten solle. Besagter Markgraf war gleichzeitig Graf von Tirol und als Ludwig V. Herzog von Oberbayern bekannt. Er war der älteste Sohn des Kaisers von Bayern Ludwig IV. und Beatrixe von Schlesien-Schweidnitz. Die Einkünfte des Dorfes Lanke waren nicht unerheblich, da man zirka dreißig Jahre später, also 1375 im Landbuch der Mark Brandenburg sechsunddreißig Hufen und zwölf Kossäten zählte. Eine Hufe war ungefähr die Größe eines Ackerlandes mit Hof und Nebengelass zur Ernährung und zum Leben einer Bauernfamilie. Eine Kossate war ein Fünftel bis zu einer Hälfte einer Hufe. Die Landarbeiter einer Kossate besaßen maximal ein Pferd und wenig Vieh. Sie mussten neben ihren eigenen Äckern, welche zum Lebensunterhalt nicht reichten, auch bei Großbauern und Grafen bei der Ernte aushelfen. Vom Stand waren sie unter den lankekirche5-bBauern aber über den reinen Landarbeitern und Knechten, welche keinen Besitz hatten. 1415 wurde dann auch Lanke selbst Eigentum von Biesenthal. Rund zweihundert Jahre später verkauften die Herren von Arnim von Biesenthal Lanke an den Rittmeister und Erbherren von Zehlendorf Friedrich von Götze. Übrigens, der Sohn von Friedrich und seiner Frau Anna von Wulfen, ein gewisser Adolph von Götze, wurde 1671 Gouverneur der Festung Spandau und 1677 bis 1684 Gouverneur von Berlin. In Lanke selbst zählte man laut Steuerregister, welches man damals Schossregister von Zuschuss oder Vorschuss nannte, 126 Einwohner. Wie in der gesamten Region wurde auch Lanke im dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 total zerstört. Danach soll es nur einen Überlebenden gegeben haben – den Müller. Erst einhundert Jahre später erreichte Lanke wieder die alte Einwohnerzahl. Im Laufe der Zeit wechselte der Besitzer oft und 1827 erwarb Graf Wilhelm von Redern den Ort Lanke mit seinen Ländereien. Von Redern war ein altes Adelgeschlecht, welches bis ins zwölfte Jahrhundert reichte und große Gebiete sein Eigen nannte. Den märkischen von Redern gehörte neben dem Schloss Lanke auch das Schloss Schwante in Schwante/Gemeinde Oberkrämer und das Berliner Palais Redern in Berlin am Brandenburger Tor, welches 1906 dem Bau des Hotel Adlon weichen musste. Gleich nach dem Kauf wurde der angrenzende Lustgarten in einen Landschaftspark angeblich nbogensee-siedlung3-bach Plänen vom Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné verwandelt. Wieder dreißig Jahre später, also von 1855 bis 1858 wurde das Gebäude im französischen Renaissancestil umgebaut und erweitert. Die Pläne stammten vom Architekten Eduard Knoblauch, welcher unter anderem auch die neue Synagoge in der Oranienburger Straße und das jüdische Krankenhaus in der Auguststraße (beide in Berlin-Mitte) entwarf. Im Jahr 1866 vernichtete ein schlimmer Brand fast alle Häuser von Lanke. Durch Funkenflug konnte sich der Brand schnell von einem Schilfdach zum nächsten ausbreiten. Auch die Kirche brannte nieder. Durch großzügige finanzielle Unterstützung der Adligen von Redern konnte schon 1867 bis 1868 eine neue Kirche im neugotischen Stil aus Backstein errichtet werden. Um 1900 waren die von Redern die größten Grundbesitzer im Niederbarnim. Sie nannten 4.500 Hektar ihr Eigen. Durch Krankheit und fehlende Nachkommen erloschen die einzelnen Linien des alten Adelsgeschlechts von Redern.
Gleichzeitig explodierte die Metropole Berlin. Naherholung boomte. Die Berliner Stadtvä
ter suchten dringend im Umland Waldgebiete, die erhaltenswert waren und für Frischluft sorgen sollten. So kauften sie große Flächen um den Liepnitzsee und andere Gebiete im Barnim. Dadurch kam es, dass 1914 die von Redern und die Stadt Berlin einen Kaufvertrag über das Schloss und das Gut neben großen Waldflächen unterschrieben. Pensionen und Gaststätten entstanden in Lanke. Auch eine Badeanstalt wurde am Obersee eingerichtet. Zu Lanke an der krummen Lanke, am Obersee und am Hellsee gehören auch die Siedlungen Ützdorf mit dem Zugang zum Liepnitzsee, Bogensee und Arendsee. Damals zählte noch die Hellmühle am Hellsee zu Lanke. Heute wird sie von Biesenthal verwaltet. In den dreißiger Jahren wurde von Berlin für den Reichspropagandaminister Joseph Goebbels ein 16.000 Quadratmeter großes Areal am Bogensee auf Lebenszeit zur Verfügung gestellt. Es wurde ein dreiflügeliges Landhaus errichtet, welches heute noch von außen besichtigt werden kann.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurden auf dem Gelände mehrgeschossige Gebäude errichtet und eine Jugendhochschule gegründet. Diese erfreute sich großer Beliebtheit im In- und Ausland.
Nach 1990 wurde der Lehrbetrieb eingestellt. Mehrere Nachnutzungen scheiterten ebenso wie Verkaufsversuche des Berliner Liegenschaftsfo
jgerheim-bnds.
Neuerdings gibt es Bemühungen für eine internationale Bildungseinrichtung. Am Rande des Hochschulgebietes gib
arendsee3-bt es die kleine Siedlung Bogensee. Hier wohnen zirka 100 Menschen recht abgelegen.
Noch weiter entfernt vom Lanker Dorfkern ist die Siedlung Arendsee. Hier leben noch sechs Familien. Auf Grund der großen Entfernung gibt es auch kaum Beziehungen zwischen den Bewohnern der einzelnen Siedlungsstandorte.
In Lanke selbst ist das Schloss sehenswert, wo auch regelmäßig Kulturveranstaltugen stattfinden.
Auf dem Sportplatz in Richtung Kiesgrube finden regelmäßig lockere Treffen der Anwohner statt. Hier trifft sich alt und jung. Die Kinder toben und spielen und wenn genügend Männer da sind, wird auch ein Fußballspiel gewagt. Nebenbei spricht man über dies und jenes. Das Osterfeuer und andere Lanker Höhepunkte werden hier veranstaltet. So bildet sich langsam ein Kern junger Eltern und anderer Aktiven, welche etwas für Lanke erreichen wollen. Dies sollte ausgebaut werden, denn darauf können die Lanker stolz sein.
Am 19. Mai 2017 erfolgte die Grundsteinlegung für ein Mehrzweckhaus mit neuer Feuerwache, Kita-Einrichtung und Gemeinderaum inmitten des Ortes.
Wolfgang Kirschner
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 31. Mai 2017 )