Ralf Becker engagiert in der Kommunalpolitik (Nr. 76)
Geboren wurde er vor dem zweiten Weltkrieg als dritter von vier Geschwistern in Zehden östlich der Oder, dem heutigen Cedynia, Höhe Hohensaaten und Oderberg. Der Vater fiel 1944 an der Front. Die Angst ralf-beckerseiner Mutter stieg, je näher der unmittelbare Krieg rückte. Letztlich floh sie mit den Kindern und ihrer schwer kranken Mutter Richtung Barnim nach Oberhavel ins dortige Lindow. Dort kamen sie mit anderen Flüchtlingen in der Schule und Turnhalle unter. Die Kindheit war also nicht so, wie man es sich heute für kleine Kinder vorstellt. Hunger, ständige Angst um die Zukunft und die Bleibe waren Tagesthemen. 1950 kam die Familie nach Wandlitz, wo sie im Sommerhaus eines Verwandten Zuflucht fand. Ralf wuchs hier auf und verbrachte seine Jugend.
Mitte der fünfziger Jahre erlernte er nach Abschluss der Schule den Beruf des Drogisten in einer Konsum-Drogerie in Bernau. Dort arbeitete er nach der Lehre auch einige Zeit und ging dann nach Berlin. Hier arbeitete er in dem Institut für Arzneimittelwesen als Leiter eines Fotolabors. Von 1960 bis Anfang der siebziger Jahre war er wieder als Drogist tätig, erst in Bernau später in Wandlitz als Leiter der dortigen HO-Drogerie. 1973 wurde er dann in die HO-Kreisverwaltung berufen, wo er einige Jahre als Handelsbereichsleiter wirkte. Hier sammelte er viele Erfahrungen. Ralf Becker bildete sich auf dem Gebiet der Ökonomie im Abendstudium weiter und qualifizierte sich so zum Fachdirektor Handel. Von Mitte der achtziger Jahre bis 1990 übernahm er den Bereich Wirtschaftskontrolle in der Kreisverwaltung der HO Bernau.
1990 wurden auch die staatlichen Handelsorganisationen aufgelöst und abgewickelt. Alle Mitarbeiter mussten sich neu orientieren. Da die Alteigentümerin der Wandlitzer Drogerie ihren Besitz wieder zurück übertragen bekommen hat, suchte sie einen Drogisten. So konnte Herr Becker sofort als Drogist arbeiten. Dies tat er dann auch bis zum Renteneintrittsalter.
Die Zeit um 1990 war für viele Menschen eine Zeit des Um- und Aufbruchs. Man musste sich umorientieren und neue Wege gehen. Ralf Becker dachte nicht nur an sich und sein Wohl. Er wollte an den gesellschaftlichen Ereignissen mitgestalten und mitwirken. Er war wie andere auch interessiert an einer offenen gemeinsamen Arbeit für das Gemeinwohl. So nahm er an den Montagsgesprächen teil und fand Gleichgesinnte im Bemühen, vorhandene Probleme anzugehen und zu beseitigen. Ralf Becker stellte sich als Mitglied der SPD-Fraktion zur ersten und zu allen weiteren Wahlen der Gemeindevertreter auf. Bis heute ist er seinen Wählern sehr dankbar, dass sie ihn immer mit einer hohen Stimmzahl bedachten. Mittlerweile kann Herr Becker auf eine siebenundzwanzigjährige Arbeit als Gemeindevertreter zurückblicken. In dieser Zeit war er Bürgermeister, langjähriges Mitglied des Ortsbeirates sowie stellvertretender Ortsvorsteher. Bis heute setzt er sich aktiv mit ganzem Herzen für die Interessen der Bürger unserer Gemeinde ein, aber immer auch im Interesse der Solidargemeinschaft. So waren in den neunziger Jahren Fragen der Modernisierung der Infrastruktur besonders wichtig. Hier rief Ralf Becker die Arbeitsgruppen „Ab- und Trinkwasser“ sowie „Straßen 2000“ ins Leben. Interessierte und Fachleute beratschlagten über effiziente Lösungen zu anstehenden Problemen. Als Gründungs- und Vorstandsmitglied im Niederbarnimer Wasser- und Abwasserzweckverband (NWA) setzt er sich von Anfang an für einen maximalen Service bei einem minimalen Preis für die Endverbraucher ein. Seine Sichtweise zu den Problematiken von gezahlten Geldern und der geänderten Rechtslage in Bezug auf Anschlussentgelte und deren Verjährung gab er mehrfach selbstbewusst bekannt. Damit nicht genug. Herr Becker ist in diversen Ausschüssen und Arbeitsgruppen aktiv tätig. Er engagiert sich zum Beispiel in den Ausschüssen für „Ordnung, Sicherheit und Umwelt“, „ Soziales, Wohnen, Tourismus, Kultur und Städtepartnerschaft“, in den Arbeitsgruppen „Leben ohne Barrieren“, „Baumschutz“, „Straßen“, „Bürgerwald“ und „Bahnhofsvorplatzgestaltung“. Ferner ist er seit Gründung des Fördervereins des Agrarmuseums Wandlitz Vorstandsmitglied.
Sehr am Herzen liegt ihm allerdings die Arbeit der Arbeitsgruppe Städtepartnerschaften der Gemeinde Wandlitz, deren Mitbegründer er ist. So kann Wandlitz auf eine fünfundzwanzigjährige Patenschaft mit der Stadt Gladbeck in Nordrhein-Westfalen zurückblicken. Mit der französischen Gemeinde La Ferriere existiert ein Partnerschaftsvertrag seit über zwanzig Jahren und mit der polnischen Gemeinde Trzebiatów seit über fünfzehn Jahren. Zu den französischen und polnischen Partnern entwickelte sich inzwischen eine enge Freundschaft. Jährlich finden mehrere Austauschveranstaltungen statt, welche verschiedene Ebenen des Gemeindelebens berühren. So werden Schulen, Sportvereine, das Agrarmuseum, Künstler, Frauenkreise und andere angesprochen. Natürlich finden auch zünftige Jubiläumsfeiern statt. Auf diese oder andere Weise werden breite Bevölkerungsgruppen erreicht und angesprochen mitzumachen.
Ich bedanke mich bei Herrn Ralf Becker für das nette informative Gespräch und wünsche ihm viel Gesundheit und Schaffenskraft für seine zukünftige Arbeit für Wandlitz.
Wolfgang Kirschner
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 31. Januar 2018 )