Gesichter in Wandlitz - Hans-Jürgen Klemm (Nr. 79)
...Streiter für Natur und Umwelt
Geboren wurde Hans-Jürgen Klemm 1947 in Leipzig. In Dresden wurde er eingeschult. Von 1955 an besuchte er die Oberschule in Berlin, die er mit der 10. Klasse abschloss. Dann erlernte er den Beruf 
klemmdes Flugzeugmechanikers bei der Interflug in Berlin-Schönefeld. Dem Erwerb des Abiturs in der Abendschule kam die Einberufung zum Wehrdienst in die Quere. Danach studierte er an der Ingenieurschule für Verkehrswesen und wurde Diplom-Ingenieur FH für Luftfahrtbetriebstechnik. Er arbeitete dann in verschiedenen Bereichen in der Wirtschaft, u.a. als Kombinatsbeauftragter der Möbelkombinate Dresden-Hellerau und Zeulenroda im Ministerium für Wirtschaft. Mit der Wende suchte er sich neue Betätigungsfelder und fand diese bei der Globus Baumarkt Holding, für die er im Bereich Standortplanung und –entwicklung tätig war. Auf diesem Gebiet war er dann noch für andere Unternehmen tätig, bis er 2016 in den Ruhestand ging.
Hans-Jürgen Klemm war also sein Leben lang ein Lernender, einer der sich engagierte und stets sein Wissen und seine Fähigkeiten dort einbrachte, wo er gerade tätig war und gebraucht wurde.
Er ist seit 1972 mit seiner Frau Beate verheiratet. Beide haben zwei Kinder und inzwischen fünf Enkel. Hans-Jürgen lebt mit seiner Frau in Wandlitz. 1987 suchten sie hier ein Grundstück und fanden es in der Nähe der Stolzenhagener Chaussee. Ein kleines Holzhäuschen stand darauf und wie es vielen ging: Kurz nach der Wende tauchte die Eigentümerin aus den alten Bundesländern auf. Doch Hans-Jürgen verstand es, mit ihr vernünftig ins Gespräch zu kommen und so konnte er das Grundstück kaufen. Im Jahre 2000 bauten sie sich hier ein eigenes Haus, umgeben von unzähligen Bäumen und Sträuchern, in einem wahren Refugium der Natur.
Hans-Jürgen Klemm ist kein Opa-Typ, wenn auch die Betreuung der Enkel zur festen Aufgabe des Ehepaares gehört. Er war immer mittendrin und wollte mitreden, wenn es um sein Wohnumfeld, den Erhalt der Natur, die Einhaltung von Ordnung und Sicherheit ging. Vor rund zehn Jahren bewegte ihn eine illegale Müllkippe in der Nähe seines Grundstückes. Wo holt man sich Rat und Hilfe? Beim Bürgermeister. Doch der ließ ihn gar nicht erst zur Tür herein. Da war er bei Hans-Jürgen an der richtigen Adresse! Ein Bürgermeister, der sich für die Belange der Bürger nicht interessiert? Dafür gab es nur eine Antwort: Ein anderer Kandidat musste her. So kam er in die Runde der Unterstützer für Jana Radant. Damals, 2011 herrschte eine wahre Aufbruchstimmung. Forderungen wurden erhoben, neue Ideen diskutiert. Hans-Jürgen Klemm fand den Gedanken, sich gegen die Errichtung von Windrädern im Liepnitzwald stark zu machen, besonders interessant. Dabei ging es ihm nie um ein abstraktes Thema. Wenn er über den Wald spricht, leuchten seine Augen förmlich. Wald ist für ihn Jugenderinnerung, das sind die Düfte, die Ruhe, die Vielfalt der Natur, die blanke Erholung.
Mit seiner Begeisterung für die Natur war er nicht alleine. Gleich mehrere Wandlitzer strebten an die Spitze einer zu gründenden Bürgerinitiative. Ratgeber, Ideenträger und Initiatoren gab es mehrere. Doch davon blieb Hans-Jürgen Klemm letztlich einer von den wenigen, die das auch umsetzen wollten, was so alles geplant war. Manche warfen ihm vor, sich zu sehr nach vorne gedrängelt zu haben, zu fordernd zu sein, Kompetenzen überschritten zu haben. Für ihn war allerdings klar: Ohne Engagement, ohne persönlichen Einsatz und ohne kämpferischen Elan war das Ziel nicht zu erreichen. Die offizielle Politik des Landes ging in eine andere Richtung. Erneuerbare Energie stand im Vordergrund, die Errichtung von Windrädern auf Teufel komm raus, Brandenburg als Vorreiter.
Hans-Jürgen Klemm tat das, was er immer getan hatte: Er beschäftigte sich mit dem Thema, suchte Gleichgesinnte, vertrat seinen Standpunkt. In Wandlitz konnte er und kann er auf etliche Mitstreiter bauen. Bald fand man sich mit ähnlichen Bürgerinitiativen zusammen, konnte so an Kraft zulegen. Inzwischen ist die Bewegung gegen den hemmungslosen Ausbau mit Windrädern ein gesamtdeutsches Bündnis geworden, das nicht mehr wegzudiskutieren ist. Aktuell stehen die Chancen, tatsächlich den Liepnitzwald von Windrädern dauerhaft frei zu halten, ganz gut. Aber zu Ende ist dieser Kampf nicht.
Hans-Jürgen Klemm hat sich dazu klar ausgedrückt: Wenn dieser Wald dauerhaft als Erholungswald klassifiziert und das Thema Windräder vom Tisch ist, dann und erst dann kann man über die Perspektiven der Bürgerinitiative nachdenken. Bis dahin aber sehen wir uns auch Anfang des nächsten Jahres zur Winderwanderung vor Ort.
Christa Schumann
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 29. Juli 2018 )