Sigmund Jähn – der erste Deutsche im All (Nr. 79)
Vor 40 Jahren, am 26. August 1978 flog zum ersten Mal in der Raumfahrtgeschichte ein Deutscher ins All: Sigmund Jähn, Bürger der DDR. Gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten
sigmund-jaehnWaleri Fjodorowitsch Bykowski (geb. am 2. August 1934) flog die Rakete Sojus 31 zur Weltraumstation Saljut 6. In sieben Tagen, 20 Stunden und 49 Minuten umkreisten die beiden Weltraumflieger 125 Mal die Erde. Dabei führte Sigmund Jähn verschiedene wissenschaftliche Experimente durch, unter anderem mit der in der DDR entwickelten und produzierten Multispektralkamera MKF 6.
Sigmund Jähn wurde am 13. Februar 1937 in Morgenröte-Rautenkranz, einem kleinen Ort im Vogtland geboren. Schon früh galt sein Interesse dem Fliegen. 1955 begann er seinen Dienst bei der Volkspolizei - Luft, dem Vorläufer der Luftstreitkräfte der NVA. Er war stellvertretender Politoffizier einer Geschwaderstaffel, Lehrer für Lufttaktik und Luftschießen. Er erwarb das Abitur und studierte an der Militärakademie „J. A. Gagarin“ in Monino bei Moskau. Er schloss diese als Diplom-Militärwissenschaftler ab. Von 1970 bis 1976 war er Inspekteur für Jagdfliegerausbildung und Flugsicherung im Kommando der Luftstreiteikräfte. Zu dieser Zeit erfolgte seine Auswahl als Kandidat für eine Kosmonautenausbildung.
Die Ausbildung und Vorbereitung auf den Weltraumflug absolvierte parallel Eberhard Köllner (geb. 29. September 1939 in Staßfurt). Auch er besuchte die Militärakademie von 1966 bis 1970. Ihm blieb es allerdings verwehrt, selbst in den Kosmos zu fliegen. Er schied nach der Wende als Oberst aus der NVA aus, nachdem er ein Angebot, seine Kenntnisse und Fähigkeiten in der Luftwaffe der Bundesrepublik Deutschland einzubringen, abgelehnt hatte.
Sigmund Jähn erhielt nach seinem Flug ins All zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Er wurde Held der DDR und der Sowjetunion. 1986 wurde er zum Generalmajor ernannt. Er ist Ehrenbürger der Stadt Berlin, von Strausberg, Neuhardenberg (früher Marxwalde) und seinem Geburtsort Morgenröte-Rautenkranz. Er trägt als einziger Bürger den Titel „Fliegerkosmonaut der DDR“. 1983 erhielt er den Titel Dr. rer. nat. Eine Büste von ihm wurde 1990 von der Archenhold Sternwarte in Berlin-Treptow entfernt. Sie befindet sich inzwischen in Kamenz vor dem Statistischen Landesamt Sachsen. In seinem Heimatort gibt es eine „Deutsche Raumfahrtausstellung“, wo zu seinem Gedenken eine Stele aufgestellt wurde.
Sigmund Jähn ist verheiratet und hat zwei Töchter.
Trotz seines Ruhms, den er in der DDR und darüber hinaus erwarb, blieb es bis heute ein bescheidener Mensch.
Sigmund Jähn ist, und das kann ihm niemand mehr nehmen, der erste Deutsche, der ins All flog. Inzwischen sind es elf Raumfahrer, die als Deutsche im All waren. Aktuell ist seit dem 6. Juni 2018 Alexander Gerst (geb. 3. Mai 1976 in Künzelsau) auf der Raumstation ISS im Einsatz. Mit ihm wird es zum ersten Mal einen Deutschen als Kommandanten der Station geben.
Was Sigmund Jähn bei seinem Flug empfand, bestätigen inzwischen Raumfahrer aus zahlreichen Staaten: Der Anblick unseres Planeten Erde aus dem All ist ein bewegender Moment. Diese Erde zu erhalten und vor Vernichtung zu bewahren, muss das Anliegen eines jeden Menschen sein. So ist jeder Weltraumflug ein Beitrag, gemeinsam für die Zukunft unseres Lebens zu arbeiten.
Horst Schumann
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 29. Juli 2018 )