Wir haben viel Energie (Nr. 79)
Über die Ergebnisse der Umsetzung des Energiekonzeptes der Gemeinde Wandlitz
Im Jahre 2010 fanden sich interessierte Bürger der Gemeinde zusammen, um die Energiepolitik der Gemeinde Wandlitz weiter zu entwickeln und zukunftsfähig zu machen. Unter dem Namen „Wandlitz
erneuerbar“ entstand ein Verein der dazu geeignet war, den Bürgern dieses Ansinnen nicht nur nahe zubringen sondern sie auch aktiv mit einzubeziehen.
Als erste Projekte wurden zwei Bürgersolaranlagen (PV) auf gemeindeeigenen Dächern realisiert. Das reichte trotz des großen Erfolgs allerdings nicht aus, um das Ziel des Vereins umzusetzen. Dazu bedurfte es schon umfassenderer Projekte.
Deshalb wurde die Idee geboren ein eigenes Energiekonzept für unsere Gemeinde in Angriff zu nehmen. Dieses sollte die Möglichkeit schaffen, neben der Formulierung der Ziele der Energiepolitischen Entwicklung auch eine Reihe von Schwerpunktprojekten zu entwickeln. Von Anfang an bestand Konsens, dass es um drei Schwerpunktfelder - Energieeinsparung, Energieeffizienz und Alternative Energieerzeugung - gehen sollte.
Die Aktivitäten der Bürger, die sich für dieses Vorhaben erwärmten, stießen anfänglich nicht unbedingt auf die Gegenliebe der Verwaltung. Man sah wohl zu viele Probleme auf sich zu kommen. Doch in der Gemeindevertretung sah es da schon anders aus. Insbesondere die Vertreter der Linken und der CDU unterstützten das Vorhaben. Zum Schluss gab es in der Gemeindevertreterversammlung einen einstimmigen Beschluss zur Erarbeitung eines kommunalen Energiekonzeptes. Die dafür anfallenden Kosten von 100.000 Euro wurden zu 75 Prozent über Fördermittel beschafft, die restlichen 25 Prozent kamen durch die Gemeinde in Form von Geld- und Eigenleistungen zusammen.
Nach einer Ausschreibung wurde die renommierte Firma Basler und Partner beauftragt, das Energiekonzept zu erstellen. Unterstützt wurde sie dabei von den Mitgliedern der gemeindlichen Arbeitsgruppe Energiekonzept. Wichtig war es, sowohl den Autoren als auch den Vertretern der Arbeitsgruppe, von Anfang an die Bürger der Gemeinde in den Prozess der Erarbeitung aktiv mit einzubeziehen. Dazu fanden eine Reihe von Veranstaltungen statt, in denen sich die Bürger mit Ihren Vorschlägen und Meinungen einbringen konnten und dieses dann auch taten. Dass das auf großes Interesse stieß, machte auch die Tatsache deutlich, dass bis zu 200 Bürger an den Veranstaltungen in der Kulturbühne „Goldener Löwe“ teilnahmen. Im Ergebnis lag dann ein 190 Seiten starkes Konzept vor, dessen Umsetzung 2012 in der Gemeindevertretung beschlossen wurde. Zur politischen Begleitung des Prozesses wurde durch die Gemeindevertretung die Bildung des Ausschusses A6 gebildet.
Mit diesem Konzept steht die Gemeinde Wandlitz auf einem vorderen Platz bei der energiepolitischen Entwicklung im Land Brandenburg.
Das Dokument benennt unter anderem auf 43 Seiten eine Reihe von Maßnahmen, die für die kurz-, mittel-, und langfristige Entwicklung auf diesem Gebiet als wichtig angesehen wurden.
Beispielhaft seien einige Schwerpunkte genannt:
1. Schaffung der Planstelle eines Energiemanagers für die Gemeinde. Diese Stelle wurde aus eigener Kraft ohne Fördermittel mit Danila Ramirez besetzt, der in der Lage ist, die sich aus dem KEK ergebenden Aufgaben umzusetzen.
2. Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Lampen im. Einige Teststrecken wurden erfolgreich in Betrieb genommen um die besten Varianten für die Umrüstung zu ermitteln. In drei bis vier Jahren könnte die Umrüstung der Straßenbeleuchtung im gesamten Gemeindegebiet vollzogen sein. Eine Amortisation der Investition, die aus dem Gemeindehaushalt getätigt werden könnte, würde dann in zwei bis drei Jahren erfolgt sein.
3. Die Untersuchung der Möglichkeiten der Schaffung eines Mehrstoffzentrum zur Verwertung des im Gemeindegebiet anfallenden Grünschnittes. Diese konnten im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung der HNE (Eberswalde) durchgeführt werden und somit Grundlage einer Handlungsempfehlung werden.
Nach zirka sechs Jahren Erfahrungen bei der Umsetzung des KEK kommt es darauf an, eine Zwischenbilanz zu ziehen und diese weiter fortzuschreiben.
Dazu muss zeitnah eine entsprechende Sachstandsfeststellung erfolgen, die vor allen auch die messbaren Ergebnisse beinhaltet. Das KEK muss in seiner Gesamtheit analysiert und den sich in den letzten Jahren erfolgten Entwicklungen und Veränderungen angepasst werden.
So wurde auch über die im KEK als Schwerpunkt genannte Umsetzung der Forderungen nach mehr Elektromobilität behandelt.
Als sinnvoll werden dabei vor allen die Schaffung von Ladestationen für Elektrofahrräder angesehen. Hier werden im Jahr 2018 die ersten Projekte umgesetzt. Bei den Ladestationen für Pkw oder Kleintransporter sollte allerdings eine andere Herangehensweise diskutiert und favorisiert werden. Firmen, die ihren Strom verkaufen wollen, werden von der Gemeinde bei der Suche nach geeigneten Stellplätzen und der Vorhaltung der Infrastruktur im Rahmen von planmäßigen Tiefbaumaßnahmen unterstützt werden. Die Inbetriebnahme solcher Ladestationen soll aber keine gemeindliche Aufgabe werden. Schließlich errichtet und betreibt die Gemeinde auch keine Tankstellen und wird dies auch künftig nicht tun.
Noch nicht zufriedenstellend sind die Umsetzung des Energiekonzeptes und die Einbeziehung der entsprechenden vorhandenen Gremien bei gemeindlichen Baumaßnahmen.
Die Fortschreibung des KEK der Gemeinde Wandlitz ist notwendig und es bleibt zu hoffen, dass sich die Mitglieder der Gemeindevertretung dazu bekennen.
Wolf-Gunter Zätzsch