Bauplatz Basdorf (Nr. 80)
2017: Die Fluten des Mekong, Erdbebensimulation und 2018 Supersommer in der Wüste. Ja, wir hatten Pech mit dem Erdbeben beim Abriss der alten Garnison Basdorf, mit Starkregen im August 2017 und Glück mit diesem Sommer des Jahres 2018. Oder spielt da auch eine gewisse Nachlässigkeit unserer „Rayonbehörde“
mit?
Wir - die Bewohner des Anemonenweges - waren 2017 gesegnet mit interessanten Ereignissen. Dazu gehörten Schockwellen der brachial eingesetzten Abrisstechnik beim „Rückbau“ des alten Kampfparkes. Die Gläser klingelten melodisch im Schrank. Dank dieser Technik konnte man bei diversen Getränken beinahe auf den Mixer verzichten.
Gut ein paar Risse im Haus, an Wänden und Decken. Kein Grund für eine ordentliche Entschuldigung, kein Schuldeingeständnis. Man hat ja die Sache „im Auge“ gehalten.
Im August 2017 kam es zu einer durch Starkregen und Behördenversagen verursachten Überschwemmung von Grundstücken und auch Kellern - Pegelstand bis zu 50 cm. Das war logisch, denn seit Jahren wurde Bauschuttrecycling aufgeschüttet - der alte Anemonenweg systematisch um zirka 50 cm erhöht. Dieser „Kunstdamm“ verhindert nunmehr den natürlichen, seit ewigen Zeiten existierenden Ablauf von überschüssigem Niederschlagswasser. Die anliegenden Straßen bildeten einst ein „natürliches Bett“ in einer eiszeitlichen Rinne. Das speiste ein altes, ausgedehntes Teichgebiet, ein wunderbares Biotop. ... Gut die Bewohner haben nun eben bessere Vorstellungen, wie das mit dem Meeresspiegel so in der Praxis abläuft. Geflutete Keller wird es eben nicht nur in der Südsee oder in Holland geben.
Aber alles ist steigerungsfähig. Im Jahre 2018 wurden wir mit der Beseitigung dieses seit Jahrzehnen bestehenden Feuchtbiotops beglückt. Wir kannten es als die Heimat diverser Amphibien. Der Kammmolch, die Rotbauchunke, selbstverständlich Ringelnattern, diverse weitere Bewohner kamen von dort in unsere Gärten. An den sonnendurchglühten Rändern fand man die Blindschleiche. Ja - auch Mücken erfreuten uns. Und die Fledermäuse zogen in den Nachtstunden ihre Kreise über dem Wald. In den späten Abendstunden und ganz früh am Morgen wanderten Rehe auf der „Straße“ zur Tränke. Einfach zu ungeeignet als Beispiel für die weitere Versteppung des Landes.
Gut, das Bauamt handelte, eine Baugenehmigung wurde anscheinend erteilt, ein Baustellenschild ward nie gesehen – (Stand 20.08.2018). Was soll‘s.
Die Bäume verschwanden. Der Vorgang wurde auch von einigen Ziegen aufmerksam beobachtet. Der Boden – auch an den Resten des ehemaligen Teiches - wurde ausgehoben und das Ganze mit mehreren 1.000 Kubikmetern Kies aufgefüllt. Dass nun die ohnehin marode Bauschotterpiste namens Anemonenweg diese Materialtransporte nicht überstehen würde, wussten alle. Nur interessierte es anscheinend keinen vom Bauamt.
Gut, die Arbeiter der Baufirma schafften die Bodenbewegung und -verdichtung, ohne dass es zu Rissen in den anliegenden Wohngebäuden kam. (Ein wohltuender Unterschied zum rabiaten Einsatz schwerster Technik, im Jahre 2017). Die permanente Lärmbelastung durch die Rüttlertechnik war dafür deutlich oberhalb der Schmerzgrenze. Sie hat sich inzwischen bis zur Unerträglichkeit gesteigert. Gern sähen wir, dass der Leiter des Bauamtes mitsamt der Bürgermeisterin hier mal wenigstens einen ganzen Tag nur anwesend ist. Von normaler, gar von geistiger Arbeit kann hier keine Rede mehr sein.
Die Kraftfahrer der Schwerlaster fuhren unterhalb der Schrittgeschwindigkeit. Kaum Staubbelastung – aber wir mussten ja auf die Versteppung vorbereitet werden. Einzelne gutwillige Bewohner der näheren Umgebung schafften es, sobald die Feuchtigkeit der künstlich beregneten Straße nachließ, mit hohem persönlichem und technischem Einsatz, hier das „Feeling der Rallye Dakar“ nachzuvollziehen. Mit unglaublichem Einsatz schafften sie es, meterhohe Sandfontänen, Staubwolken, deren Gehalt sich dann dankenswerterweise auf der Trockenwäsche niedersetzte, Tische und Stühle puderte, anschaulich darzustellen.
All den illustren Piloten, wie „Bonsai-Schumi“, den „Raketenladys“, dem „ Beinahe-Blitz-Alonso“ unseren innigsten Dank. Aber sie stehen nur beispielhaft für weitere Experten. Und sie hatten da bedeutsame Konkurrenten aus der Hauptstadt, die es beinahe schafften, nicht nur auf jeder Achse, sondern auf jedem Rad die 30 Kilometer pro Stunde – Marke für dieses Wohngebiet zu knacken. Gut für Sie alle und Ihre Mission, dass da kein Vertreter vom Ordnungsamt aufgepasst hatte. Aber die sind ja damit beschäftigt, unser Mulden– und Rigolen–System so gut als möglich zu errichten und zu erhalten, damit auch in Zukunft der eine oder andere Anwohner ausreichend Regenwasser für die Flutung seines Grundstücks gesichert bekommt.
Wir sehen der weiteren Entwicklung mit Verdrossenheit und Interesse entgegen.
Im Namen aller Anwohner des Anemonenweges Gisela & Paul Bergner