Zu Heft 2 von „Wandlitz auf den Punkt“ (Nr. 83)
Die bisherigen Ausgaben Ihres in der hiesigen Medienlandschaft neuen Blattes haben mir sehr gut gefallen. Sie bringen Farbe und Vielfalt neben dem „Amtsblatt“ und dem „Heidekraut Journal“ in die kommunalpolitische Landschaft.
Was mir allerdings weniger gefällt, das unterschwellig zum Vorschein kommt: „Die Probleme müssen endlich angepackt werden“, „Lasst uns loslegen“. Also – die Vorgänger der jetzigen Kommunalpolitiker, die Bürgermeister und Gemeindeverwaltung(en) wären die Probleme nicht angegangen, hätten keine Lösungen gehabt? Dem war absolut nicht so!
Ich war selbst 30 Jahre lang (von 1984 bis 2014) Gemeindevertreter und Ortsbeirat in Basdorf und Wandlitz und behaupte damit als Zeitzeuge: die zum jeweiligen Zeitraum und in der jeweils nahen Zukunft bestehenden kommunalpolitischen Probleme wurden in der Vergangenheit immer erkannt und entsprechend der politischen und finanziellen(!) Möglichkeiten zu lösen versucht.
Wenn ich richtig verstanden habe, wollen Sie überparteilich informieren. Das begrüße ich sehr. Hoffentlich bleibt das so! Ich musste zu meiner Zeit als Gemeindevertreter leider feststellen, dass die kommunalpolitische „Streitkultur“ sich mit wachsenden Problemen proportional verschlechterte. Es ist zu hoffen, dass die Fraktionen bei ihren Vorstellungen zur Lösung der schwierigen Probleme nicht im Modus des Dauerwahlkampfes diskutieren.
Nun muss ich allerdings noch eine Kritik loswerden. Im redaktionellen Teil der Nr. 2 gibt es auf Seite 15 den Artikel „Lebendige Erinnerung gestalten“ (zum Areal des ehemaligen Polizeistandortes) mit dem Abschnitt 1954 – 1989/90 … – Bereitschaftspolizei der DDR. Er ist unterzeichnet von Frau Dr. Schmid-Rathjen, Kulturamtsleiterin.
Für mich ergibt sich: Frau Dr. Schmid-Rathjen ist also wohl die zuständige Beamtin für die „offizielle“ Geschichte in der Gemeinde und sie stellt in diesem Artikel das amtliche, öffentliche Geschichtsbild für das o.g. Objekt vor?
Nun gibt es in der Großgemeinde sicher noch mehrere Hundert Zeitzeugen, die im benannten Zeitraum dort gedient oder gearbeitet haben. Vielleicht ist die Erinnerung verblasst, vielleicht wundern sie sich auch über die dargestellten Fakten und deren Deutung durch die Autorin.
Ich wundere mich auch. Schließlich habe ich dort gedient, und von 1982 bis zum 31. Dezember 1990 sogar als Leiter der Garnison der Bereitschaftspolizei.
Frau Dr. Schmid-Rathjen kann, wäre sie Journalistin zur Geschichte natürlich schreiben, was sie will. Als Kulturamtsleiterin der Gemeinde muss sie sich m.E. zwingend an die belegbaren Fakten halten, ihre Aversionen zurückstellen und in der sprachlichen Gestaltung neutral formulieren. Eben bei der Wahrheit bleiben – das gehört ja wohl auch zur Kultur.
Zu den Fakten:
• Die Landespolizeischule Brandenburg entstand auf dem Areal erst 1991 und nicht 1990 (Einleitung).
• In Basdorf rückten die ersten Wehrpflichtigen erst 1962 ein. Das Wehrpflichtgesetz der DDR gab es erst seit Anfang 1962 als Antwort auf das der BRD (1956).
• In den 1970er Jahren zog nicht die 22. Nachrichten-Bereitschaft des MdI sondern nur ganz einfach die Nachrichten-Bereitschaft des MdI ein. Der unvoreingenommene Leser würde sich sonst wundern, wo die restlichen 21 Nachrichten-Bereitschaften geblieben sind.
• Sie zog auch nicht samt Funkleitstelle des Ministeriums für Staatssicherheit ein. Wobei sich „Stasi“ in solchen DDR-Betrachtungen natürlich immer gut macht.
• Zur verschwiemelten Ausdrucksweise über die „Relikte aus damaliger Zeit“ habe ich lange gerätselt. Mit „Exerzierstelle“ kann ich nach wie vor nichts anfangen. Wahrscheinlich meinte die Autorin damit die Denkmale für die Namensgeber der Bereitschaften. Dabei handelt es sich um Traditionspflege, hier also die Erinnerung an ermordete Antifaschisten! Warum muss man denn das sprachlich so abwerten?
• Und übrigens: die Einheiten lösten sich Anfang 1990 nicht auf – sie wurden aufgelöst, abgewickelt, evaluiert wie bekanntlich die Kombinate, VEG, Institutionen und Einrichtungen der DDR auch. Berufspolizisten, Wehrpflichtige und zivile Heizer, Köchinnen u.a. gingen einer ungewissen aber glücklichen Zukunft entgegen.
Es wäre gut, wenn das offizielle Geschichtsbild für das Gemeindeterritorium und die Region bzw. das Geschichtsbild der Frau Dr. Schmid-Rathjen nicht mit der erlebten Realität kollidierte. Weil – es ist eben nicht einfach, über etwas zu schreiben, von dem man keine Kenntnisse hat!
Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich ein Kasernengelände auch nicht als die erstrebenswerteste Anlage für eine Gemeinde ansehe und also persönlich durchaus einverstanden und zufrieden bin, dass nach einer langen Vandalenzeit auf dem Gelände eine wert- und sinnvolle Nachnutzung begonnen hat. Aber um „Lebendige Erinnerung (zu) gestalten“, so die Artikelüberschrift, muss man nicht so en passant den guten Ruf der Basdorfer Garnison, die im Umfeld geholfen hatte wo sie nur konnte, beschädigen und damit viele Hunderte (oder mehr) Zeitzeugen und Mitbürger kränken.
Man denke auch daran: bei der sogenannten Mauer in den Köpfen geht es nicht nur um Geld!
Manfred Häser, Basdorf