„Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen“ (Nr. 86)
So lautet der Titel eines Buches von Eberhard Esche, einem bekannten DDR-Schauspieler.
Viele Bürger sind mit grüner Politik verbunden. Warum ist das so? Unbestritten ist die Erkenntnis gewachsen, dass der Erhalt unseres Planeten mit seiner vielfältigen
Natur, seiner Luft zum Atmen, seiner Wasserressourcen ein Gebot der Stunde ist. Zuviel Raubbau wurde in den letzten Jahrhunderten betrieben, zu viele Wälder vernichtet, zu viel Wasser verdreckt, zu sehr Luft verpestet. Dagegen etwas zu unternehmen, ist wohl dringend geboten. Aber wie und vor allem wer?
An dieser Stelle tritt der Widerspruch zu Tage zwischen notwendigen Maßnahmen, populistischen Ideen und einer immer stärker um sich greifenden Demagogie von Parteien und Gruppierungen, die sich mit dem Attribut grün dem Wähler gern verkaufen. Wie kann es sein, dass man einerseits für den Erhalt der Wälder kämpft, in aller Welt, aber bei uns nichts gegen die Errichtung von Windrädern in Wäldern mit den dafür erforderlichen Kahlschlägen unternimmt. Einerseits fordert man den Ausbau des ÖPNV, den Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlegen. Wenn aber einige Anwohner gegen den seit Jahrzenten geplanten Ausbau der Stammstrecke nach Wilhelmsruh mobil machen, können unsere grünen Vertreter plötzlich deren Argumente durchaus verstehen. Und unterstützen sie auch noch. Man müsse, so ihr Argument, alle Seiten betrachten. Dabei geht es ihnen aber nur um die eine Seite.
Bei den Forderungen nach einem sinnvollen Umgang mit den vorhandenen Rohstoffen und dem Erhalt unserer Umwelt bemühen sie die Grünen, stets als Vorreiter zu gelten. Was durchaus begrüßenswert wäre, wenn sie auch noch Lösungen haben würden. Bis auf simple Ideen und plakative Aktionen ist aber in dieser Richtung wenig zu sehen. Und so erfinden sie das Fahrrad munter aufs Neue und tun so, als ob sie was ganz Tolles zu Rettung der Welt entdeckt hätten.
Wie wurden die Ostdeutschen belächelt, als sie mit Einkaufsnetzen bewaffnet zu den Kaufhallen eilten! Der Weltmensch, auch der grüne, ließ sich seine Einkäufe in Papier- und Plastiktüten einpacken und verstaute sie in seinem schicken Auto. Auch das staatliche, SERO genannte System der Wertstofferfassung wurde im Zuge der Wende erst einmal abgeschafft. Früher zogen Kinder durch die Straßen und sammelten Altstoffe, Papier, Flaschen, Lumpen und Schrott. Dafür erhielten sie auch noch Geld. Mit solchem Kram schlugen sie sich im anderen Teil Deutschlands nicht erst herum. Und die Haushaltsgeräte im Osten wurden für die Ewigkeit produziert. Viele haben noch heute ihr RG-25 oder ihren Kontaktgrill in Betrieb, unverwüstlich.
All diese Erscheinungen haben inzwischen das Denken vieler Menschen beeinflusst. Was wir in der DDR als normal betrachteten, vielleicht auch aus der Not geboren, wird heute zur grünen Politik gemacht. Dabei überbieten sich Politiker allen Couleurs bei der Wiedererfindung alter Weisheiten. Das macht auch vor unserem banalen Leben nicht halt. Der moderne Mensch hat sich dem Zeitgeist entsprechend ökologisch untadelig zu verhalten. Er isst Wiesenkräuter statt profanem Schnitzel und fühlt sich dabei auch noch wohl. Autos mit Verbrennungsmotoren werden verteufelt, der Ferienflug in die Karibik oder Schiffsreisen sind durchaus aber unverzichtbar. Und so könnte man die Aufzählung weiter fortsetzen Der grüne Politiker kämpft im Bundestag mutig und unverdrossen gegen Glyphosat und Kohlestrom und wechselt bei Bedarf ohne Probleme als Lobbyist zu Bayer ober der Kohleindustrie, wie es auch in diesem Jahr wieder geschieht. Es geht hier nicht darum die moralische Keule zu schwingen, aber es geht darum mehr Ehrlichkeit in die Debatten um unsere Zukunft zu bringen.
Um es ganz klar zu sagen: Wir sind für den Erhalt der Umwelt, wir sind gegen Luft- und Wasserverschmutzung, wir sind für eine intakte Natur. Aber wir sind auch gegen Panikmache und pseudowissenschaftliche Theorien. Wir Mitglieder des Bürgervereins Wandlitz e.V. und des Vereins „wandlitzerneuerbar“ setzen uns seit Jahren mit anderen Bürgern für die Gestaltung der Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinde ein. Wir haben uns an der Ausstattung öffentlicher Gebäude mit Solaranlagen beteiligt. Wir haben die Energieversorgung unserer Gemeinde auf den Prüfstand gestellt, haben für die Umstellung auf energiesparende Straßenbeleuchtung gesorgt und sind für den Erhalt unserer Wälder und eine gemeindliche Baumschutzsatzung eingetreten. Und wir sind aktiv für den Frieden in der Welt eingetreten, denn Kriege sind unter anderem auch die größten Umweltkatastrophen.
Seit Jahren wird in der Gemeinde Wandlitz eine erfolgreiche Energie- und Umweltpolitik betrieben. Leider konzentriert sich die Arbeit dabei auf eine überschaubare Anzahl von Akteuren. Wenn es uns gelingt, das Engagement auf eine breite Basis zu stellen, können wir mehr für unsere Umwelt erreichen als nur mit plakativen Aktionen.
Wolf-Gunter Zätzsch, Vorsitzender der AG Wandlitz erneuerbar