Sehenswürdigkeiten in Groß Schönebeck (Nr.28)
imgp0882-webJagd und Macht
Mitten in Groß Schönebeck, eingebettet in einen großzügigen Park, steht das im 17. Jahrhundert vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm errichtete Jagdschloss. Im schönen Frühbarockstilgebäude
stiegen einst königliche Herrscher und deren Jagdgesellschaften ab.
Seit 1991 befindet sich im Schloss das Schorfheidemuseum. Dem Besucher wird ein Eindruck über die Entstehung und Entwicklung der Schorfheide, eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands, vermittelt. Außerdem beherbergt das Schloss die Waldschule „Jägerhaus“, die Touristeninformation sowie das Trauzimmer der Gemeinde.

Max Schmeling Ausstellung
Eine Dauerausstellung ist dem Boxweltmeister und Naturburschen gewidmet. Der Boxraum führt Sie geräuschvoll durch das vergangene Jahrhundert und zeigt Ihnen die Rolle, die Max Schmeling spielte. In Filmsequenzen erleben Sie turbulente Szenen, unter anderem die 12. Runde des Kampfes gegen Joe Luis, dem „braunen Bomber“. Mit einem Schlag gegen den Sandsack können Sie sich Ihren ganz persönlichen Applaus holen.
Im anschließenden Naturraum, unter den leisen Geräuschen des Waldes, steht eine Jagdhütte, in der Sie die Jagdbekleidung und privaten Fotoalben des Boxers betrachten können. Mittels Audiostationen erhalten Sie einen Einblick in die Gedanken, Sehnsüchte und Träume von Max Schmeling.

Ausstellung Jagd und Macht
Die stilvoll renovierte Schlossscheune beherbergt seit 2009 die
imgp0883-webDauerausstellung „Jagd und Macht“. Seit beinahe eintausend Jahren sind in der Schorfheide Jagd und Macht eng verbunden. „Wir wollen die Epochen der deutschen Geschichte vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zur DDR in Verbindung mit der Jagd zeigen“, sagt Museumsdirektor Helmut Suter. Zu den knapp hundert Exponaten gehört eine Vielzahl von Jagdtrophäen von Machthabern, wie dem letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. oder DDR-Staatschef Erich Honecker. Zu großen Teilen lebt die Ausstellung in der jüngst mit Mitteln des Landes Brandenburg sanierten Scheune des Jagdmuseums von großformatigen Bildern und Videoeinspielungen. Einen großen Teil widmet die Schau dem Landsitz Carinhall von NS-Luftwaffenminister und Reichsjägermeister Hermann Göring. In dem in knapp 15 Kilometer Luftlinie von Groß Schönebeck entfernten, mittlerweile völlig zerstörten Gebäudeensemble hatte Göring gelebt und unter anderem den Luftkrieg gegen England geplant. Den Größenwahn dokumentieren in der Ausstellung ein Modell des gigantischen Baus und eine drei Meter hohe Marmorsäule aus der Eingangshalle von Carinhall. Ebenfalls zur nationalsozialistischen Epoche gehören drei Figuren des Bildhauers Arno Breker. Die drei übergroßen Bronzestatuen „Eon“, „Anmutige“ sowie „Schreitende“ waren von dem umstrittenen Künstler in den Jahren der NS-Diktatur ab 1933 angefertigt worden und standen bis Kriegsende im Park von Carinhall. Die Figuren, die unmittelbar vor Kriegsende im See versenkt wurden, waren erst 1991 wieder geborgen worden. Bewusst haben sich die Gemeinde Schorfheide und der Verein des Schorfheidemuseums entschieden, diese Ausstellung ins Jagdschloss zu bringen. Bürgermeister Uwe Schoknecht unterstreicht die Bedeutung der Ausstellung: „Die Gemeinde Schorfheide weiß um die Brisanz der Thematik. Immer wieder stelle ich fest, wie wichtig es ist, sich der Geschichte zu stellen und diese schonungslos aufzuarbeiten“.
Die Ausstellung wird laufend erweitert. Ob auch die Zeit nach 1991 mit der Gründung des Biosphärenreservats Schorfheide irgendwann Einzug in die Ausstellung finden wird, ist bislang noch nicht geklärt. Ausstellungsmacher Frey findet dies wünschenswert. „Heutzutage ist es so, dass die Wohlhabenden Golf spielen. Die wirklich Reichen und damit Mächtigen in unserer demokratischen Gesellschaft jagen aber immer noch, auch in der Schorfheide“, sagt er.
Renè Berger
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 4. Februar 2010 )