Eine Straße in Basdorf - Heinrich von Kleist (Nr. 36)
2011 feiert man 200 Jahre nach des Dichters Tod das Kleist-Jahr. kleist-1-portrt-web
„Kleist ist unser“ rufen sie begeistert in Frankfurt an der Oder, denn dort wurde der Meister im Jahr 1777 geboren. Die Stadt hat ein  eigenes Kleist-Museum mit einer umfangreichen Kleist-Ausstellung, mit Dokumentationen und den festlichen Besuchen von Schriftstellern, Künstlern, wissenschaftlichen und politischen Größen, die das Wirken des Dichters Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist und sein tragisches Ende im Jahr 1811 beleuchten und kommentieren … Auch die Stadt Berlin ehrt Kleist mit einer umfangreichen Ausstellung, die noch bis Ende Januar 2012 zu sehen ist.
Heinrich von Kleist wurde nur 34 Jahre alt. Er erschoss sich am 21. November 1811 am Stolper Loch bei Berlin (heute am Kleinen Wannsee). Ob aus Liebeskummer, Sehnsucht nach dem Ideal des Lebens, aus Verzweiflung über berufliche Misserfolge oder Sehnsucht nach dem Jenseits – man weiß es trotz eines Abschiedsbriefes nicht genau.
Kleist war ein deutscher Dramatiker, Erzähler, Lyriker und Publizist. Er stand als „Außenseiter im literarischen Leben seiner Zeit“. Bekannt ist er vor allem durch das historische Ritterschauspiel „Das Käthchen von Heilbronn“, das Drama „Hermannsschlacht“, seine Lustspiele „Der zerbrochene Krug“ und „Amphytrion“, das Trauerspiel „Penthesilea“ und seine Novellen „Michael Kohlhaas“ und „Die Marquise von O.“
Heinrich von Kleist entstammte einer Familie des pommerschen Uradels, dem in Preußen eine herausgehobene Stellung zukam. Zahlreiche Generäle und Feldmarschälle, viele Gutsbesitzer, aber auch etliche Gelehrte und hohe Diplomaten trugen den Namen Kleist.
Die Tragik Heinrichs: Er ist hineingeboren worden in eine Militärfamilie und war unglücklich als Soldat. Aber er ist eben auch gescheitert als Beamter und von einer schwierigen Situation im Leben in eine andere gestolpert. Heinrich wurde seinerzeit bedauert als jemand, der nicht seiner Pflicht, dem preußischen König zu dienen, nachkam. Das hat man in bestimmten Kreisen der Familie auch übel genommen. Sein Ruhm als einer der bekanntesten Dichter deutscher Sprache hat aber darunter nicht gelitten.
Die große „Kleist-Familie“ mit all ihren Verästelungen hat auch heute noch Nachkommen. Einer ist Heinrich von Kleist-Retzow (geboren 1929 in Kieckow, Westpommern), der mehrere Jahre lang Vorstandsvorsitzender im Trägerverein des Kleist-Museums in Frankfurt/Oder war.
In seiner Schulzeit stand er im „Zerbrochenen Krug“ auf der Bühne. Das war ein eigenartiges Gefühl. „Das Stück ist von meinem Ur-Groß-Onkel Heinrich“. Seitdem hat Heinrich von Kleist-Retzow viel über Heinrich, das wohl berühmteste Mitglied seines Familienverbandes, gelernt.
Ob Kleist heute eine größere Bedeutung hat als zu Lebzeiten?
„Ich weiß gar nicht, ob das der Fall ist. Ich, als heute 82-Jähriger, habe ja nur eine kurze Zeit nach seinem Tode miterlebt. Ich erinnere mich, dass zum Beispiel die DDR als erstes erkannt hat, dass ein Staat, der eigenständig sein will, nicht ohne Geschichte auskommt, und sich plötzlich Preußens erinnerte.
In diesem Zusammenhang ist das Dichter-Museum an der Oder entstanden. Die Frankfurter haben daraus auch Kapital geschlagen und sich schließlich Kleist-Stadt nennen können.“
Kleists Leben war geprägt vom ruhelosem Streben nach idealem Glück, das sich aber immer wieder als trügerisch erwies, und dies spiegelt sich in seinem Werk wider.
Er war ein Meister in der Kunst der Erzählung. „Michael Kohlhaas“ gilt als eine der wichtigsten deutschsprachigen Erzählungen ihrer Zeit.
Kleist war zudem ein vaterlandsliebender, Napoleon als Imperator ablehnender, Dichter, was sich deutlich in seinen Gedichten „Germania an ihre Kinder“ und „Kriegslied der Deutschen“ äußert.
Das Werk patriotischer Dichter und Schriftsteller wurde zu allen Zeiten gern vereinnahmt und missbraucht. So erging es auch Kleist nach seinem Tod. Er wurde als bedeutender Streiter im Sinne der nationalistischen und chauvinistischen Strömungen des Deutschen Kaiserreichs gedeutet. Insbesondere seit der deutschen Reichsgründung von 1871 kam es zu einer immer stärker werdenden politischen Inanspruchnahme Kleists. Das endete dann als Fortsetzung in einer späteren Vereinnahmung des Dichters durch die NS-Kulturpolitik, die die Bejahung des großen Einzeltäters in Kleists Drama „Hermannsschlacht“ und den absoluten Gehorsamsanspruch des Kurfürsten in „Prinz Friedrich von Homburg“ als Vorwegnahme des faschistischen Führerkults deutete.
Entkleidet von einem „Kleist-Mythos“ haben ganze Generationen von Schülern große Teile des Werkes Heinrich von Kleists kennen und schätzen gelernt. Gäbe es eine Umfrage dazu, würden die meisten wohl die Lustspiele „Der zerbrochenen Krug“ und „Amphytrion“ und die am häufigsten verfilmte Erzählung „Michael Kohlhaas“ nennen…
Nach Heinrich von Kleist wurden Straßen in Mühlheim/Ruhr, Leipzig, Berlin, Wolfsburg und Dresden benannt. Und auch in Basdorf bei Berlin. Die Kleiststraße findet sich als letzte Querstraße entlang der Waldheimstraße.
Klaus Flemming
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 2. Juni 2011 )